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Neue Enthüllungen zur Rolle der USA im Kolumbien-Konflikt

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Gedenken an Opfer des Konfliktes in Kolumbien und die falsos positivos-Morde
Gedenken an Opfer des Konfliktes in Kolumbien und die falsos positivos-Morde

Bogotá/Washington. Die Wahrheitskommission in Kolumbien hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, der auch die Rolle der USA im bewaffneten Konflikt aufzeigt, in dem zwischen 1964 und 2016 nach offiziellen Zahlen rund 260.000 Menschen gestorben sind. Teile des Reports wurden der New York Times vorgelegt.

Laut diesen Dokumenten war der US-Regierung stets bekannt, dass die kolumbianische Armee an einer Reihe von Massakern beteiligt war. Dennoch hat diese über Jahrzehnte lang ihre militärische Beziehung zu Kolumbien vertieft.

Dem US-Geheimdienst CIA wurden damals Beweise vorgelegt, die Verbindungen zwischen der kolumbianischen Armee und paramilitärischen Gruppen verdeutlichen. Demnach wurden den Paramilitärs regelmäßig Listen mit möglichen Anschlagszielen ausgehändigt. Die US-Regierung schickte dennoch weiterhin Millionen Dollar an Hilfsgeldern an die Regierung im Andenstaat.

Unter den Beweisen, die herangezogen wurden, befinden sich zahlreiche US-Dokumente, die vom National Security Archive organisiert und zusammengestellt wurden. Das Archiv mit Sitz in Washington unterstützt Wahrheitskommissionen in verschiedenen Ländern bei ihrer Arbeit.

Eine digitale Bibliothek mit allen vorhandenen Dokumenten wird im August veröffentlicht. Der New York Times wurden einige im Voraus zur Verfügung gestellt. Besonders aufschlussreich, so der Direktor des Kolumbien-Projekts der Organisation, Michael Evans, sei eine Reihe von CIA-Operationsberichten, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind.

Ein weiterer Bericht, der 1988 veröffentlicht wurde, zeigt die Verstrickungen zwischen der Vierten Brigade der Armee und Mitgliedern des Medellín-Kartells auf.

In dieser Zeit wurden regelmäßig linke Aktivisten:innen ermordet, darunter auch Mitglieder der sozialistischen Partei Unión Patriótica getötet. Sie ging im Rahmen des damaligen Friedensprozesses 1985 aus den Farc-EP hervor. Es wird davon ausgegangen, dass der Kommandant der Vierten Brigade vorab über Mordkommandos gegen sie informiert war.

Später im Dokument wird ein CIA-Beamter zitiert, der über das Massaker spricht, das 1988 an Arbeitern von Bananenplantagen verübt wurde. Mehrere von ihnen waren Gewerkschaftsmitglieder. Demnach lagen dem Geheimdienst Beweise vor, dass die 10. Brigade der kolumbianischen Streitkräfte den Tätern die Namen der Opfer übergeben hat.

Ein anderes Beweisstück zeigt, dass Ölfirmen Paramilitärs im Austausch für Schutz bezahlt haben und mindestens eine dieser Firmen aktiv Informationen zu Guerilla-Aktivitäten an das Militär aushändigt hat. Laut CIA soll die US-Regierung darüber Kenntnis gehabt haben. Luftüberwachungssysteme entlang der Öl-Pipelines sollen dabei geholfen haben Guerilla-Lager ausfindig zu machen und ihre Kommunikation abzufangen. Die kolumbianische Armee nutzte diese Informationen und tötete etwa 1997 bei einem Einsatz gegen die Guerilla rund 100 Farc-Mitglieder.

Ein 2003 verfasstes Schriftstück gibt Einblick in eines der dunkelsten Kapitel des Konflikts. Im als "falsos positivos" (Falsche Positive) bekannt gewordene Skandal hat das Militär unter der Präsidentschaft von Álvaro Uribe 6.402 Zivilisten:innen getötet, um sie dann als "im Kampf gefallene" Guerilla-Kämpfer:innen zu präsentieren. Mit diesem Vorgehen wollte die ultrarechte Regierung der Bevölkerung Erfolge im Krieg gegen die Guerilla vortäuschen.

In einer Notiz an den Verteidigungsminister der Regierung von George W. Bush, Donald Rumsfeld, wird der erhebliche Anstieg an toten Guerilleros seit dem Amtsantritt Uribes gelobt: In nur sechs Monaten wurden demnach 543 gezählt, verglichen mit 780 in den letzten zwei Jahren der Amtszeit von Vorgänger Andrés Pastrana. Das Dokument trägt den Titel "Jüngste Erfolge gegen die kolumbianische Farc".

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