Venezuela und Kolumbien arbeiten nach Jahrzehnten der Spannungen wieder zusammen

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Venezuelas Außenminister Faría (rechts) und sein künftiger Amtskollege Leyva
Venezuelas Außenminister Faría (rechts) und sein künftiger Amtskollege Leyva

San Cristóbal. Venezuelas Außenminister Carlos Faría und sein künftiger kolumbianischer Amtskollege Álvaro Leyva haben eine offizielle Absichtserklärung zur Normalisierung der binationalen Beziehungen unterzeichnet.

Darin verpflichten sich beide Seiten, Botschafter und anderes diplomatisches und konsularisches Personal zu ernennen, sobald die neu gewählte Linksregierung von Gustavo Petro am 7. August ihr Amt antritt. Caracas hatte die diplomatischen Beziehungen zu Bogotá im Februar 2019 abgebrochen, nachdem sich die Regierung von Iván Duque den Bemühungen Washingtons um einen "Regime Change" im Nachbarland angeschlossen und den Oppositionellen Juan Guaidó als selbsternannten "Interimspräsidenten" anerkannt hatte.

Man sei bereit, die "Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit zu festigen" und alle Fragen von binationalem Interesse zu erörtern, hieß es weiter.

Leyva, ein langjähriger Befürworter einer Verhandlungslösung des internen bewaffneten Konflikts in Kolumbien, war das erste Kabinettsmitglied, das Petro ernannte, der als erster progressiver Staatschef des Landes gilt.

An der Zusammenkunft, die vergangene Woche im Regierungssitz des venezolanischen Grenzstaates Táchira stattfand, nahm auch Raúl Rosende teil, der stellvertretende Sonderbeauftragte der Überwachungsmission der Vereinten Nationen zur Umsetzung des Friedensvertrages in Kolumbien. Venezuela spielte eine Schlüsselrolle bei den erfolgreichen Bemühungen um das Abkommen zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc-EP) und dem kolumbianischen Staat im Jahr 2016.

Im Rahmen der Normalisierungsbemühungen schlossen Kolumbien und Venezuela auch ein "Grenzabkommen zur Förderung von Frieden und Entwicklung" entlang ihrer durchlässigen, 2.200 Kilometer langen gemeinsamen Grenze. Dort kommt es regelmäßig zu Zusammenstößen zwischen irregulären bewaffneten Gruppen und staatlichen Sicherheitskräften beider Länder. Caracas hat häufig "imperialistische Agenten" für die Unruhen verantwortlich gemacht und die Regierung von Präsident Iván Duque beschuldigt, "paramilitärischen Gruppen und Drogenhändlern" zu erlauben, in der Region ungehindert zu operieren. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro warnte erst kürzlich vor "terroristischen Bedrohungen in letzter Minute" durch die scheidende Regierung Duque.

An der kolumbianisch-venezolanischen Grenze ist auch eine starke Migration zu verzeichnen. Der Personenverkehr zwischen den beiden Ländern ist ein historisches Merkmal der bilateralen Beziehungen, aber in den letzten Jahren haben Millionen von Venezolanern angesichts der vielschichtigen Krise ihr Land verlassen. Auch dies war Thema bei dem Treffen von Faría und Leyva.

Die Bemühungen um die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen und die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen wurden auch von Wirtschaftssektoren in beiden Ländern vorangetrieben. Anfang Juli gab der venezolanische Unternehmerverband in Táchira die Unterzeichnung eines "Grenzabkommens" mit kolumbianischen Unternehmern bekannt. An dem Treffen in San Cristóbal nahmen Wirtschaftsvertreter aus beiden Ländern sowie der chavistische Gouverneur von Táchira, Fredy Bernal, teil.

Angesichts der von den USA verhängten Sanktionen, die die wirtschaftliche Entwicklung Venezuelas stark beeinträchtigen, versucht die Regierung Maduro, den Handel und die Wirtschaftstätigkeit auch in der Grenzregion anzukurbeln. Das Parlament hat vor kurzem ein Gesetz zur Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen (Zonas Económicas Especiales, ZEE) verabschiedet, die per Präsidialdekret eingerichtet werden (amerika21 berichtete). Laut der Lokalzeitung El Universal sind Unternehmer in beiden Ländern an der Einrichtung einer ZEE in der Grenzregion interessiert. Die venezolanische Regierung hat sich dazu noch nicht geäußert.

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