Mexiko / Soziales / Umwelt

Mexiko: Keine Hoffnung auf Rettung der verschütteten Bergleute

mexiko_el_pinabete.jpg

Die Rettungsversuche waren erfolglos. Die verschütteten Bergleute können nicht mehr lebend geborgen werden
Die Rettungsversuche waren erfolglos. Die verschütteten Bergleute können nicht mehr lebend geborgen werden

Sabinas. Die mexikanische Regierung hat bekanntgegeben, dass der Versuch gescheitert ist, die seit Anfang August verschütteten zehn Arbeiter lebend aus der Steinkohlemine in Sabinas, Coahuila, zu bergen. Es ist den Rettungskräften nicht gelungen, die unterirdischen Wassermassen abzupumpen, um so zu dem Stollen vorzudringen, in dem die Kumpel vermutet werden.

Das Unglück ereignete sich in der kleinen, 1,8 Hektar umfassenden Mine "El Pinabete", welche in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Mine "Conchas Norte" liegt, die seit 30 Jahren verlassen ist und deren Stollen geflutet sind. Der verlassene Bergbau von Conchas Norte ist mit 180 Hektar wesentlich größer, ein Durchbruch von der alten in die neue Mine war der Auslöser der Katastrophe.

Laura Velázquez Alzúa, die Koordinatorin des Katastrophenschutzes, gab nun bekannt, dass die Bundesregierung sich gegenüber den Familienangehörigen verpflichtet habe, Entschädigungszahlungen zu leisten. Die sterblichen Überreste der Verunglückten sollen durch einen Tagebau zugänglich gemacht und später eine Gedenkstätte errichtet werden.

Die Angehörigenorganisation "Familien von Pasta de Conchos" kritisiert den Plan des staatlichen Energieproduzenten (CFE) zur Bergung der Verunglückten in sechs bis elf Monaten. CFE besäße keine Steinkohleminen und auch keinerlei Erfahrung in Rettungsarbeiten im Bergbau. Zudem hätten das deutsche Bergbau-Beratungsunternehmen DMT sowie Fachleute des deutschen Instituts für Bergbausicherheit und die US-amerikanische Firma Phoenix First Response, die auch zu Rate gezogen wurden, eine andere Einschätzung geäußert.

Diese internationalen Experten stimmten vor wenigen Tagen einer hydraulischen Isolierung der Unglücksstollen zu, um so zu den verunglückten Arbeitern vordringen zu können. Diese Technik sei bereits bei vorherigen Katastrophen angewandt worden, erklärten die Familen von Pasta de Conchos in einer Mitteilung auf Twitter.

Die Angehörigenorganisation erinnerte zudem daran, dass 63 seit 2006 in der Mine Pasta de Conchos verschütteten Bergleute bis heute nicht geborgen wurden. Im Oktober 2020 wurde ebenfalls CFE mit der Bergung der Überreste beauftragt, ohne dass die Arbeiten bisher erfolgreich waren.

Organisationen vor Ort betonen, dass insbesondere Maßnahmen zur erhöhten Arbeitssicherheit zentral wären, um der Unglücksserie ein Ende zu setzen. Mehrere weitere Kleinstollen wie El Pinabete befinden sich in ähnlich gefährlich naher Umgebung zu verlassenen Minen. Die Besitzverhältnisse sind meist unklar, Minimalstandards zum Schutz der Arbeiter:innen können so umgangen werden.

Nächstes Jahr werden im Bundesstaat Coahuila Wahlen staatfinden. Auch Bergbau-Interessen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr