Argentinien / Politik

Argentinien: Verbindungen von Kirchner-Attentätern zu militanter ultrarechter Gruppe

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Fernando Sabag Montiel zielte Kirchner direkt ins Gesicht
Fernando Sabag Montiel zielte Kirchner direkt ins Gesicht

Buenos Aires. Im Rahmen der Ermittlungen um den Anschlagsversuch gegen Argentiniens Vizepräsidentin Cristina Fernández de Kirchner ist nach den Haupttätern Fernando Sabag Montiel und Brenda Uliarte sowie deren Freundin Agustina Mariel Díaz eine vierte Person festgenommen worden. Nicolas Gabriel Carrizo war offenkundig in die Pläne eingeweiht und hatte eine weitere Waffe für den Anschlag bereit gestellt. Er ist vermutlich auch am Anschlagsort bzw. in der Nähe gewesen.

Am Tag nach dem Mordversuch war Carrizo zusammen mit der Mittäterin Uliarte und weiteren Mitgliedern der Gruppe an die Presse herangetreten und hatte eine Erklärung abgegeben, dass sie nichts damit zu tun hätten. Von der Polizei danach verhört, hatten sie freiwillig ihre Mobiltelefone abgegeben. Auf seinem wurden belastende Nachrichten gefunden, die eine Beteiligung eindeutig belegen. So bedauerte er vor seiner Schwester, dass der Anschlag fehlgeschlagen sei. Er teilte ihr mit, den Attentätern eine Pistole vom Kaliber 22 übergeben zu haben, die jedoch nicht verwendet wurde, und dass er diese nun verschwinden lassen müsse. Carrizo ist auch der Eigentümer der Zuckerwattemaschine, mit deren Produkt als Verkäufer getarnt die Gruppe den Tatort ausspähte.

Bemerkenswert ist, dass kurz nach Carrizos Festnahme seine Verteidigung durch ein bekanntes und teures Anwaltsbüro übernommen wurde. Sein Anwalt, Gastón Marano, ist zudem Berater des Senators Ignacio Torres von der rechten Partei PRO in der Parlamentskommission zur Überwachung der Geheimdienste. Dies sorgte für erhebliche Aufregung, da Indizien vorliegen, die eine Verwicklung ehemaliger Geheimdienstmitglieder in das Attentat nahelegen. Torres selber bat daraufhin den Kommissionsvorsitzenden Leopoldo Moreau, den Rechtsanwalt als Berater aus dem Ausschuss zu entfernen.

Inzwischen wurde auch bestätigt, dass Uliarte und Carrizo an verschiedenen gewalttätigen Aktionen der militanten ultrarechten Gruppe "Revolución Federal" teilgenommen haben, so etwa an einer Demonstration vor dem Präsidentenpalast Casa Rosada, bei der Brandsätze gegen das Gebäude geworfen wurden, oder einem Angriff auf den Wagen des Wirtschaftsministers Sergio Massa bei dessen Amtseinführung. Von verschiedenen Seiten war angeprangert worden, dass die Gruppe von der Polizei der Stadt unbehelligt agieren konnte.

"Revolución Federal" wird nun beschuldigt, hinter dem Anschlag zu stehen. Die Gruppe weist einen konfusen rechten Ideologiemix auf, hat Kontakte zu der Präsidentin der PRO, Patricia Bullrich, und zeigt Sympathien für den ultraliberalen Abgeordneten Javier Milei. Ihr Anführer, Jonathan Morel, besitzt eine kleine Tischlerei, die vor kurzem eine hohe Zahlung (1,7 Millionen Pesos) von einer Firma der Gruppe Caputo bekommen hatte. Nicolas Caputo ist Bauunternehmer und ein enger Freund von Ex-Präsident Mauricio Macri. Sein Name tauchte unlängst im Korruptionsprozess um öffentliche Aufträge auf, als Cristina Kirchner in ihrer Verteidigung nachwies, dass der verurteilte Staatssekretär Jose López regelmäßig mit Caputo in Verbindung stand.

Die Justiz untersucht auch weitere Geldflüsse, die Hinweise auf mögliche Hintermänner geben könnte.

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