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Spanien erkennt Unrecht der Kolonialzeit in Mexiko an

Die Aussage fällt bei einer Ausstellung in Madrid. Bezug auf Leid indigener Gemeinschaften in Mexiko. Sheinbaum spricht von einem ersten Schritt zur Vergebung

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Bei der Eröffnung einer Ausstellung in Madrid formulierte Albares die Entschuldigung für den Kolonialismus
Bei der Eröffnung einer Ausstellung in Madrid formulierte Albares die Entschuldigung für den Kolonialismus

Madrid/Mexiko-Stadt. Bei der Eröffnung der Ausstellung "La mitad del mundo. La mujer en el México indígena" hat Spaniens Außenminister José Manuel Albares öffentlich das Unrecht anerkannt, das während der Eroberung und der Kolonialzeit an den indigenen Völkern Mexikos begangen wurde.

"Die gemeinsame Geschichte zwischen Mexiko und Spanien hat, wie jede menschliche Geschichte, Licht- und Schattenseiten. Es gab Schmerz und Ungerechtigkeit gegenüber den indigenen Völkern. Es gab Unrecht, und es ist nur richtig, es anzuerkennen und zu bedauern. Das ist Teil unserer gemeinsamen Geschichte – wir dürfen sie weder leugnen noch vergessen", erklärte der Minister.

Diese Anerkennung erfolgt mehr als sechs Jahre, nachdem Präsident Manuel López Obrador von Spanien eine Entschuldigung für die während der Eroberung begangenen Verbrechen gefordert hatte. Der Brief, den er damals an König Felipe VI. richtete, blieb ohne Antwort seitens der spanischen Regierung. Dies führte zu einer diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern, woraufhin Präsidentin Claudia Sheinbaum den Monarchen nicht zu ihrer Amtseinführungsfeier einlud. Spanische Medien betonten, dass diese Geste den Beginn einer Entspannung zwischen den beiden Staaten markieren könnte, und bezeichneten die Anerkennung dieses Unrechts als einen diplomatischen Schritt von großer symbolischer Bedeutung, der mit Jahren des Schweigens breche.

Die Worte des Außenministers haben sowohl in Mexiko als auch in Spanien Reaktionen hervorgerufen – bei Regierungsvertretern, Journalisten und Historikern gleichermaßen. Die mexikanische Präsidentin erklärte in ihrer morgendlichen Pressekonferenz, diese Aussagen seien "der erste Schritt in Richtung Vergebung" und betonte, dass "Vergebung Regierungen und Völker größer macht". Sheinbaum formulierte diese Worte in einem Brief anlässlich der Ausstellungseröffnung und fügte hinzu, dass diese "kulturelle Veranstaltung eine Brücke des Respekts und des Dialogs ist – und auch eine des gegenseitigen Anerkennens, die uns hilft, mit anderen Augen zu sehen, mit anderen Ohren zu hören und mit offenem Herzen zu fühlen". Auch der Philosoph José Luis Villacañas bezeichnete die Erklärung von Albares als "einen guten diplomatischen Schritt", der darauf abziele, beide Nationen nach Jahren der Spannungen wieder einander näherzubringen.

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Der ehemalige spanische Außenminister José Manuel García-Margallo erklärte in den sozialen Netzwerken, "die Äußerungen von Minister Albares über die Eroberung Mexikos seien ein historischer Irrtum und ein Mangel an Weitsicht für die Zukunft", da er der Ansicht ist, dass die Eroberung mit der Hilfe derselben indigenen Gemeinschaften durchgeführt wurde, "die sich den Spaniern anschlossen, um das Aztekenreich abzuschütteln".

Ähnlich äußerte sich der mexikanische Historiker Juan Miguel Zunzunegui, der darauf hinwies, dass dies nicht das erste Mal sei, dass sich die spanische Regierung für die Kolonialvergangenheit entschuldige. Er erklärte, dass im Jahr 1836, als Spanien die Unabhängigkeit Mexikos – die 1821 errungen worden war – anerkannte, sowie 1910 anlässlich der Hundertjahrfeier des Beginns des Unabhängigkeitskriegs und 1991 während eines Besuchs von König Juan Carlos bei den indigenen Gemeinschaften in Oaxaca, Protokolle zur Anerkennung von Unrecht und zur Bitte um Entschuldigung abgehalten wurden.

Der Historiker José Luis Corral warnte, "Geschichte dürfe nicht mit den Werten der Gegenwart beurteilt werden" und bezeichnete es als "historischen Irrtum, Entschuldigungen auszusprechen". Die Journalistin Pamela Cerdeira hob hervor, dass die indigenen Gemeinschaften selbst keine Entschuldigung fordern; das Thema sei vielmehr von den Regierungen vorangetrieben worden. Cerdeira betonte, "die Macht kann sich nicht an die Stelle der Opfer setzen", und erklärte, dass die Regierung statt einer symbolischen Entschuldigung für ein historisches Ereignis die Übergriffe anerkennen sollte, die nach der Eroberung und Kolonialzeit weiterhin gegen indigene Gemeinschaften begangen worden seien. Abschließend sagte sie: "Es ist bemerkenswert, dass es die Mächtigen sind, die um Vergebung bitten, während dieselbe Macht weiterhin dieselben Menschen verletzt."

In den vergangenen Jahren haben mehrere Länder öffentliche Entschuldigungen für ihre koloniale Vergangenheit ausgesprochen. Dazu gehören Deutschland, das sich 2023 für seine Kolonialverbrechen in Tansania entschuldigte, und die Niederlande, die im selben Jahr ihr Sklavereierbe anerkannten. Auch Belgiens König sprach 2020 ein Bedauern über die Grausamkeiten im Kongo aus.