Orange Day in Lateinamerika: Demos gegen Femizide

Tausende Frauen protestieren gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Region hat zweithöchste Femizidrate der Welt. Bewusstsein für Problematik wächst

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Die Demonstration in Tegucigalpa anlässlich des Orange Day
Die Demonstration in Tegucigalpa anlässlich des Orange Day

Tegucigalpa et al. In Honduras' Hauptstadt Tegucigalpa sind am Dienstag feministische Kollektive und soziale Organisationen unter dem Motto "Keine Frauenmorde mehr!" zum Justizministerium marschiert. Der Orange Day, begangen am 25. November, ist ein feministischer Kampftag, der auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen soll.

Eine Gruppe von Demonstrantinnen in Tegucigalpa trug einen Sarg, um auf die über 230 Femizide hinzuweisen, die seit Anfang des Jahres registriert wurden. Femizide bezeichnen gezielte Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. In den letzten 20 Jahren waren es über 7.700 Fälle in Honduras, wobei die Straflosigkeit bei über 95 Prozent liegen soll.

Bezüglich der Parlamentswahlen am Sonntag betonte Suyapa Martínez, Direktorin des Zentrums für Frauenstudien (CDM), daher: "Wir wollen keine Kandidaten, die uns ignorieren, unsere Rechte einschränken oder gewalttätig sind. Kein Mann, der gewalttätig ist, sollte Kandidat sein".

Auch in vielen anderen Ländern der Region demonstrierten und protestierten Frauen. In Santiago de Chile marschierten Frauen mit Batucada Rhythmen ins Zentrum der Stadt und riefen dazu auf, Gewalt gegen Frauen und die Rechtsextremen im Land zu stoppen. In Montevideo in Uruguay forderten Demonstrantinnen mehr Präventionsmaßnahmen und eine umfassende Betreuung der Opfer. In El Alto in Bolivien besetzten Frauen einen Bus, um auf die Kampagne "Machismo que mata, justicia que duerme" (Machismo tötet, Gerechtigkeit schläft) aufmerksam zu machen.

Femizide stellen in Lateinamerika ein gravierendes Problem dar. In den letzten fünf Jahren zählte die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) über 19.200 Femizide in der Region, über elf pro Tag. Hinzu kommen weitere 5.500 versuchte Femizide.

Nach Afrika weist Amerika die höchsten Raten weltweit auf. Begangen werden die meisten Taten von Partnern oder Expartnern der betroffenen Frauen.

"Femizide geschehen nicht isoliert. Sie sind oft Teil eines Kontinuums der Gewalt, das mit kontrollierendem Verhalten, Drohungen und Belästigung, auch online, beginnen kann", so Sarah Hendriks, Direktorin der Abteilung Politik bei UN Women. "Um diese Morde zu verhindern, brauchen wir Gesetze, die erkennen, wie sich Gewalt im Leben von Frauen und Mädchen sowohl online als auch offline manifestiert, und Gesetze welche die Täter zur Rechenschaft ziehen, lange bevor es zu Todesfällen kommt", betont die Direktorin in einer Mitteilung der UN.

Betroffen sind vor allem Frauen von 30 bis 44 Jahren (29,2 Prozent) und Frauen und Mädchen von 15 bis 29 Jahren (28 Prozent). Regional gibt es große Unterschiede. Mit 0,4 Fällen pro 100.000 Frauen ist die Rate in Chile am niedrigsten, in Honduras mit über zehnmal so vielen Fällen mit Abstand am höchsten. Auf Honduras folgen Guatemala (1,9 Fälle pro 100.000 Frauen) und die Dominikanische Republik (1,5 Fälle pro 100.000 Frauen).

Durch die Arbeit von Feministinnen und sozialen Organisationen ist die Tragweite des Problems in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Alle Länder Lateinamerikas haben inzwischen Gesetze zur Prävention und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen erlassen. In 20 Staaten wurde das Delikt des Femizids in die Rechtsordnung aufgenommen, teils als eigener Strafbestand, teils als erschwerender Umstand bei Mord.

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Wandgemälde in Gedenken an Las Mariposas in Tegucigalpa, Honduras
Wandgemälde in Gedenken an Las Mariposas in Tegucigalpa, Honduras

Der 25. November als Gedenktag entstand 1981 zu Ehren der Schwestern Patria, Minerva und María Teresa Mirabal, die 20 Jahre vorher auf Befehl des dominikanischen Diktators Rafael Leónidas Trujillo ermordet wurden. Die Schwestern, auch als Las Mariposas (Die Schmetterlinge) bekannt, waren im Widerstand gegen Trujillos Regime aktiv.

Minerva Mirabal hatte zuvor die sexuellen Annäherungsversuche des Diktators zurückgewiesen. Der Mord hatte damit nicht nur politische Dimensionen, sondern war ebenso ein Femizid. Die Geschichte steht somit stellvertretend für den Preis, den Widerstandskämpferinnen oft bezahlen, inspirierte aber auch die feministische Bewegung in der Region. Symbolisiert wird dies durch die Farbgebung des Tages. Das Orange steht für die Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gewalt.