Paramaribo. Jennifer Geerlings-Simons übernimmt heute das Präsidentenamt Surinames. Die 71-Jährige wurde am 6. Juli ohne Gegenkandidaten mit klarer Mehrheit von der Nationalversammlung gewählt. Nun führt die erfahrene Politikerin ein Land, das unter hohen Schulden, Inflation und wachsender sozialer Ungleichheit leidet.
Der Weg von Geerlings-Simons zur Präsidentschaft begann am 25. Mai dieses Jahres, als ihre Nationaldemokratische Partei (NDP) 18 von 51 Parlamentssitzen errang. In Absprachen mit verschiedenen kleineren Parteien sicherte sich die langjährige Abgeordnete eine Zweidrittelmehrheit und ermöglichte die Abwahl des bisherigen Präsidenten Chan Santokhi.
In ihren ersten Erklärungen als gewählte Präsidentin sagte Geerlings-Simons: "Ich bin mir der Verantwortung, die nun auf unseren Schultern ruht, sehr bewusst. Diese Verantwortung wird durch die Tatsache verstärkt, dass ich die erste Frau bin, die dieses Amt bekleidet."
Sie fügte hinzu, dass sie dieses Amt annehme, um zu dienen, und versprach, "all ihr Wissen, ihre Kraft und ihre Einsicht einzusetzen, um unseren Reichtum allen Menschen zugänglich zu machen, mit besonderem Augenmerk auf unsere Jugend und all jene, die bisher nicht die Möglichkeit einer optimalen Entwicklung hatten."
Gemeinsam mit Geerlings-Simons wurde auch der 65-jährige Dr. Gregory Rusland zum neuen Vizepräsidenten des südamerikanischen Staates gewählt.
Geerlings-Simons ist keine Unbekannte in der surinamischen Politik. Über ein Jahrzehnt leitete sie als Präsidentin der Nationalversammlung den legislativen Prozess. Ihre Wahl gilt als Zeichen des Aufbruchs. Der Sprecher der Nationalversammlung, Ashwin Adhin, nannte die Wahl "einen historischen Moment von nationaler Bedeutung". Der scheidende stellvertretende Sprecher, Ronnie Brunswijk, sagte, dass "die Zukunft weiblich und kraftvoll ist".
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Das politische Erbe von Geerlings-Simons ist jedoch umstritten. Ihre Partei, die NDP, war lange mit dem Namen von Desi Bouterse verbunden. Bouterse putschte sich zunächst zum Präsidenten, wurde später gewählt und stand wegen Menschenrechtsverletzungen während seiner Amtszeit in der Kritik. Die neue Präsidentin distanzierte sich jedoch bereits vor ihrer Wahl von autoritären Tendenzen.
Die ehemalige niederländische Kolonie ist eines der ärmsten Länder der Region und hofft auf einen Ölboom, der sich aus kürzlich entdeckten Offshore-Ölreserven ergeben könnte. Ab 2028 soll vor der Küste Surinames die Förderung beginnen. Die Einnahmen werden dringend benötigt, denn die letzten Jahre waren innenpolitisch geprägt von Ausgabenkürzungen und Austerität, angeordnet durch den Internationalen Währungsfonds (IWF).
Vor allem junge Menschen und einkommensschwache Gruppen erwarten, dass Geerlings-Simons ihre Versprechen von größerer sozialer Teilhabe einlöst und eine gerechte Umverteilung des Reichtums fördert. Auch außenpolitisch könnte Suriname unter der neuen Führung neue Akzente setzen und mehr auf regionale Kooperation bauen sowie die Partnerschaft mit China ausbauen.
Die Wahl von Jennifer Geerlings-Simons zur ersten Präsidentin Surinames wurde auch international begrüßt. Neben dem US-Botschafter Robert Faucher, der im Namen der Vereinigten Staaten seine Glückwünsche übermittelte, gratulierte auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping. Er sicherte seine Bereitschaft zur Weiterentwicklung der strategischen Partnerschaft beider Staaten zu.
Auch aus Lateinamerika kamen Glückwünsche. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sandte im Namen der venezolanischen Bevölkerung und seiner Regierung "die besten Erfolgswünsche für diese verantwortungsvolle Aufgabe" und wünschte Geerlings-Simons "Weisheit und Kraft" für die Führung des Landes. Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel gratulierte ebenfalls zur Wahl und äußerte: "Ich bekräftige Kubas Bereitschaft, die Beziehungen der Freundschaft, Solidarität und Zusammenarbeit zwischen unseren Völkern und Regierungen weiter zu vertiefen."

