USA / Venezuela / Wirtschaft / Politik

Trump wirbt um Milliarden für Ölförderung in Venezuela, Großkonzerne zögern

Washington lockert Sanktionen und baut sicherheitspolitischen Einfluss aus. Ziel ist eine rasche Wiederbelebung der Ölindustrie unter Vorgaben der USA

oelkonzerne_trump.jpg

Erdöl- und Gaskonzerne trafen Trump im Weißen Haus
Erdöl- und Gaskonzerne trafen Trump im Weißen Haus

Washington/Caracas. Am Freitag hat sich US-Präsident Donald Trump in Washington mit Führungskräften großer US-Erdölkonzerne getroffen, um über mögliche Investitionen in Venezuela zu beraten. Ziel der Gespräche war es, die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der dortigen Ölindustrie zu erörtern und zugleich langfristige energiepolitische Interessen der USA abzusichern. Trump erklärte im Vorfeld, das Treffen konzentriere sich auf venezolanisches Öl, bilaterale Beziehungen sowie Fragen der Sicherheit. Zugleich stellte er die Senkung der Energiepreise für US-Verbraucher:innen als zentrales Ziel heraus.

Der US-Präsident forderte die Unternehmen auf, mindestens 100 Milliarden US-Dollar in Venezuela zu investieren. Die Mittel sollten aus privaten Quellen stammen, während die US-Regierung Schutz und Sicherheit gewährleisten wolle. Welche Form dieser Schutz annehmen soll, blieb offen. Die geplanten Verhandlungen sollen dabei nicht mit Institutionen in Caracas, sondern direkt über Washington geführt werden.

Mehrere Unternehmensvertreter:innen äußerten jedoch Vorbehalte. Sie verwiesen auf die Gesetzesänderungen im venezolanischen Ölsektor unter dem früheren Präsidenten Hugo Chávez und die damit verbundenen geschmälerten Gewinne für internationale Konzerne. Entsprechend forderten sie rechtliche und finanzielle Garantien für langfristige Investitionen.

Mark Nelson, Präsident von Chevron, derzeit das einzige große US-Mineralölunternehmen mit Aktivitäten in Venezuela, teilte mit, dass eine Produktionssteigerung von rund 50 Prozent innerhalb von 18 bis 24 Monaten möglich sei, sofern die bestehende Infrastruktur genutzt werde. Chevron hat sich allerdings nicht zu Großinvestitionen verpflichtet, sondern lediglich zur Modernisierung bereits getätigter Investitionen. Deutlich skeptischer äußerte sich ExxonMobil Chef Darren Woods. Er erklärte, die derzeitigen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten Investitionen in Venezuela unmöglich. Woods sprach sich für eine umfassende Bewertung des Zustandes der Industrie sowie für eine Reform des venezolanischen Erdölgesetzes aus.

In den vergangenen Tagen haben die USA mehrere Sanktionen gegen Venezuela gelockert, mit dem Ziel, den Verkauf venezolanischen Öls auf den Weltmärkten zu ermöglichen. Zugleich übt Washington politischen Druck auf die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez aus, um Zugeständnisse bei den geforderten Bedingungen zu erreichen. Trump teilte auf seiner Plattform Truth Social mit, die Übergangsregierung habe Lieferungen von 30 bis 50 Millionen Barrel nicht sanktionierten Öls an die USA zugesagt. Laut ABC News verlangt Washington zudem, dass Venezuela seine wirtschaftlichen Beziehungen zu strategischen Rivalen der USA wie China, Russland, Iran und Kuba reduziert und künftig exklusiv mit US-Unternehmen im Ölsektor kooperiert, bevor weitere Ölgeschäfte zugelassen werden.

Sie interessieren sich für das Geschehen im Globalen Süden?

Wir versorgen Sie mit Nachrichten und Hintergründen aus Lateinamerika. Unterstützen Sie uns mit einer Spende.

Das US-Energieministerium gab bekannt, die Sanktionen würden selektiv aufgehoben, um Transport und Verkauf von Öl zu ermöglichen. Die Erlöse sollen zunächst auf von den USA kontrollierte Konten hinterlegt werden. Energieminister Chris Wright kündigte an, diese Gelder gestaffelt an die Übergangsbehörden auszuzahlen, abhängig von deren Verhalten, und äußerte die Erwartung, dass sich langfristig eine andere Regierung in Venezuela bilden werde. Auf welcher rechtlichen Grundlage die USA diese Kontrolle der venezolanischen Erdölressourcen ausüben, bleibt unklar. 

Die ursprünglichen Ölsanktionen bestehen seit 2017 und trugen maßgeblich zum Rückgang der venezolanischen Ölproduktion bei. Mit ihrer teilweisen Aufhebung sollen auch wieder US-Verdünnungsmittel nach Venezuela exportiert werden, die für die Förderung schweren Rohöls notwendig sind. Für US-Raffinerien gilt die mögliche Rückkehr venezolanischen Öls als vorteilhaft, da viele Anlagen auf diese Qualität ausgelegt sind.

Innenpolitisch könnte die US-Kontrolle des venezolanischen Ölsektors zur Senkung der Kraftstoffpreise in den USA beitragen, was im Hinblick auf die anstehenden Zwischenwahlen vom November 2026 von Bedeutung ist. Gleichzeitig bleibt der militärische Druck bestehen. In den vergangenen Tagen enterte die US-Armee mehrere Öl- und Tankschiffe ab und "beschlagnahmte" deren Ladung.

Trump kündigte zudem an, die USA würden Venezuela mindestens ein Jahr lang überwachen, während der Ölsektor neu aufgebaut und eine politische Transition vorangetrieben werde. Einen möglichen Besuch in Venezuela schloss er künftig nicht aus, sofern die Sicherheitslage dies zulasse.