Washington/Guatemala-Stadt et al. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 sind laut einer Auswertung von CNN auf Basis offizieller Angaben lateinamerikanischer Behörden mindestens 200.000 Migrant:innen, überwiegend aus Mittelamerika, aus den USA abgeschoben worden. Das entspricht einem Anstieg von 600 Prozent, verglichen mit den 34.293 Deportationen im gleichen Zeitraum 2021. Da mehrere Staaten keine vollständigen Daten übermittelten, dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen.
Besonders deutlich zeigen sich die Entwicklungen in einzelnen Herkunftsländern. In Guatemala wurden laut offiziellen Angaben des Instituto Guatemalteco de Migración zwischen dem 1. Januar und dem 5. November 2025 insgesamt 43.768 Staatsbürger:innen aus den USA und Mexiko zurückgeführt, davon 38.057 direkt aus den Vereinigten Staaten. Der größte Teil der Deportierten bestand aus erwachsenen Männern, die meisten monatlichen Abschiebungen wurden im Herbst verzeichnet.
Auch in El Salvador wurde ein Anstieg dokumentiert: Laut Dirección General de Migración y Extranjería wurden 2025 rund 14.794 Salvador:innen aus den USA abgeschoben, etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 92 Prozent aller Rückführungen gingen auf Deportationen aus den Vereinigten Staaten zurück. Zudem registrierte ein Flugmonitor von Human Rights First etwa 120 Abschiebeflüge in das Land.
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Diese Zahlen deuten auf eine veränderte Dynamik hin: Infobae berichtet, dass die Zahl der Grenzaufgriffe zeitweise zurückging, während Deportationen zunahmen. Der Bericht führt dies auf verstärkte Kontrollen und Festnahmen im Landesinneren durch die US-Einwanderungsbehörde ICE zurück.
Gleichzeitig haben einzelne Abschiebungen politische und rechtliche Kontroversen ausgelöst. Am 15. März 2025 wurden 238 venezolanische Migrant:innen aus den USA nach El Salvador ausgeflogen und unmittelbar in das Hochsicherheitsgefängnis CECOT gebracht (amerika21 berichtete). Menschenrechtsorganisationen kritisierten fehlende rechtliche Verfahren sowie Intransparenz über die Grundlage der Inhaftierungen; Anwält:innen stellten die Rechtmäßigkeit der Haft vor salvadorianischen Gerichten infrage.
Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur in Statistiken. Lokale Medienberichte beschreiben, dass Abschiebungen häufig unerwartet erfolgen und Betroffene ohne Vorbereitung in ihre Herkunftsländer zurückkehren müssen. Regionale Reportagen schildern zudem, dass Festnahmen im Landesinneren zu schnellen Rückführungen führen, die Familienstrukturen und Lebenssituationen spürbar verändern. Die Berichte zeigen, dass Migration für viele Betroffene weiterhin eng mit Fragen von Arbeit und Lebensperspektiven verbunden ist.


