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Angeklagte wegen Mord an Präsident von Haiti in Florida vor Gericht

Jovenel Moïse wurde 2021 ermordet. In Florida stehen vier Angeklagte vor Gericht

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Jovenel Moïse wurde am 7. Juli 2021 ermordet
Jovenel Moïse wurde am 7. Juli 2021 ermordet

Miami/Port-au-Prince. Am Montag hat in Florida der Prozess gegen vier Männer begonnen, die beschuldigt werden, 2021 am Attentat auf den haitianischen Staatspräsidenten Jovenel Moïse beteiligt gewesen zu sein. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft ihnen vor, von Florida aus den Mord geplant und finanziert zu haben. Das Verfahren war ursprünglich für das letzte Jahr angesetzt, doch kam es aufgrund von Ermittlungsschwierigkeiten und der Fülle an Beweismaterial zu Verzögerungen. 

Die Beschuldigten sind Arcángel Pretel Ortiz, ein 53-jähriger ehemaliger FBI-Informant kolumbianischer Staatsangehörigkeit, sowie Antonio Intriago, 62, venezolanischer und US-amerikanischer Staatsbürger, Inhaber einer in Florida ansässigen Sicherheitsfirma, die Pretel Ortiz anheuerte. Ferner gehören der 40-jährige James Solano, haitianisch-amerikanischer Handwerker, der ebenfalls für Intriago arbeitete, und Walter Veintemilla, 52, mit ecuadorianischer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft zu den Angeklagten. Sie sollen hinter der Finanzierung des Unterfangens stehen.

Ein fünfter Beschuldigter, Christian Emmanuel Sanon, ein haitianischer Arzt und Priester und ebenfalls US-Bürger, wird aufgrund gesundheitlicher Probleme zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht erscheinen. Die vier Angeklagten behaupten, in ihrem Komplott von der US-Regierung unterstützt worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft streitet das ab. Bis heute besteht Unklarheit bezüglich des Motivs und der Identität der Hinterleute. 

Am Morgen des 7. Juli 2021 waren 22 Söldner mit Sturmgewehren und schusssicheren Westen mit den aufgedruckten Initialen der US-amerikanischen Drug Enforcement Agency "DEA" in die Residenz des Präsidenten eingedrungen. Moïse wurde mit zwölf Schüssen getötet. Die Täter, die größtenteils kolumbianische Staatsangehörige sein sollen, entwendeten eine hohe Summe an Bargeld. Untersuchungen des Attentats zeigen Verbindungen zu hochrangigen Regierungsbeamten, sowohl in Haiti als auch in den USA. So konnten einem ehemaligen DEA-Informanten und Tatverdächtigen Telefonate mit US-amerikanischen Abgeordneten nachgewiesen werden, die Teil einer Gruppe von US-Politikern waren, die sich für eine Absetzung des haitianischen Präsidenten einsetzten.

Auch gibt es Hinweise auf ein Treffen von einigen der Angeklagten mit einem FBI-Agenten, das im April 2021 stattgefunden haben soll. Untersuchungen legen nahe, dass dem ursprünglichen Plan zufolge Windelle Coq Thélot, ehemalige Richterin am Obersten Gerichtshof Haitis, Moïse als Staatsoberhaupt hätte ablösen sollen. Dazu kam es jedoch nie. Thélot tauchte nach dem Attentat unter und verstarb vergangenes Jahr.

Die Rolle der Richterin im Komplott soll in den Gerichtsverhandlungen neu bewertet werden. Auch der Frage nach den Verletzungen, die die Ehefrau des Präsidenten, Martine Moïse, erlitten haben soll, soll im Verfahren nachgegangen werden.

Dem Mordanschlag vorangegangen war ein fehlgeschlagener Entführungsversuch am 19. Juni 2021.

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US-amerikanische Anti-Terror-Einheiten in Haiti
US-amerikanische Anti-Terror-Einheiten in Haiti

Seit dem Mord an Präsident Moïse ist Haiti in eine schwere Krise gefallen. Bewaffnete Banden nutzen das Machtvakuum, um territoriale Kontrolle zu gewinnen. Berichten zufolge kontrollieren diese derweil etwa 90 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince. Tausende Menschen wurden seitdem getötet. Auch eine seit 2024 anhaltende UN-Sicherheitsmission konnte die Lage bisher nicht beruhigen.