Argentinien: Verbindung zwischen Diktatur und Mercedes-Benz im Falklandkrieg

LKW des Konzerns dienten Gefangenentransporten und Truppenbewegungen. Gegen einen Ex-Manager läuft ein Verfahren

mercedes.jpg

Ein Mercedes-Benz Unimog 406 des argentinischen Militärs
Ein Mercedes-Benz Unimog 406 des argentinischen Militärs

Buenos Aires/Berlin. Am 2. April hat sich der Beginn des Falklandkrieges zum 44. Mal gejährt. Anlässlich des Jahrestags und der Verschränkung zwischen der argentinischen Diktatur und dem Falklandkrieg berichtete Journalist Esteban Viu nun über die Verbindung zwischen dem deutschen Autobauer Mercedes-Benz und der Militärdiktatur, die bis heute nicht aufgearbeitet ist.

Der Krieg begann mit der argentinischen Invasion der gleichnamigen Inseln. Die Militärdiktatur hatte sich erhofft, mit dem Krieg die eigene Legitimität zu stärken und von anhaltenden Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Nach zehn Wochen und 900 toten Soldaten auf beiden Seiten endete der Konflikt mit einer argentinischen Kapitulation.

"Die Gefangenen wurden in einen Mercedes-Benz-LKW gebracht, den wir ironisch 'Menéndez-Benz' nannten, in Anlehnung an den Nachnamen des Generals, der das III. Korps befehligte." So beschreibt Graciela Geuna, Überlebende des Terrors der argentinischen Militärdiktatur, ihre Zeit in dem geheimen Folter- und Vernichtungslager La Perla in der Provinz Córdoba. Der Spitzname besteht im Volksmund und unter vielen Überlebenden des Lagers bis heute fort. Die LKW waren nicht nur reine Transportfahrzeuge, sondern auch das letzte Glied in der Todesbürokratie, benannt nach Luciano Benjamín Menéndez, dem Herrscher über Leben und Tod in der Provinz. Er erteilte die endgültige Genehmigung für die Transporte zur Hinrichtung und Beerdigung seiner Opfer.

Die Verbindung des deutschen Autobauers mit dem wegen Verbrechen gegen die Menschheit verurteilten General ist kein Zufall, sondern auch Ausdruck der strukturellen Komplizenschaft: Die Verbindung zwischen dem Unternehmen und der argentinischen Diktatur war so eng und funktional, dass Mercedes-Benz hohe Gewinne erwirtschaftete, während die von ihnen produzierten Lastwagen Leichen zu Massengräbern und Soldaten auf den Falklandinseln transportierten.

Die Geschichte begann nicht auf den Straßen von Córdoba, sondern im Herzen des nationalsozialistischen Deutschlands, wo Mercedes-Benz nicht nur Zulieferer, sondern Täter war: Das Unternehmen betrieb ein Lager, in dem etwa 800 Juden und Jüdinnen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiteten, um die Rentabilität des LKW-Werks zu sichern. Innerhalb weniger Monate starben 300 von ihnen an Hunger und Erschöpfung. Die Zahlen jener Zeit sprechen für sich: Von den 63.000 Angestellten des Unternehmens waren schätzungsweise 32.000 Zwangsarbeiter:innen. 1942 ging die Geschäftsleitung sogar so weit, die SS aufzufordern, "2.000 erschöpfte polnische Arbeiter" durch "frische, neue Kontingente" zu ersetzen.

Die Einsparungen bei den Löhnen – das Unternehmen zahlte keine Gehälter, sondern lediglich eine geringe "Miete" für Zwangsarbeiter an die SS – sicherten den Aktionären weiterhin Dividendenzahlungen. Die Verbindung zwischen dem Unternehmen und der SS war so eng, dass Adolf Eichmann unter falscher Identität aus Deutschland nach Argentinien floh und später als Ricardo Klement bei Mercedes-Benz im Werk in González Catán arbeitete.

Über den Tellerrand schauen?

Mit Ihrer Spende können wir Ihnen täglich das Geschehen in Lateinamerika näher bringen.

30 Jahre später ähnelte die Situation in Argentinien in mancher Hinsicht: Mercedes-Benz war dort strategischer Partner und wichtiger Lieferant der Militärdiktatur. Hauptkunde war die Armee, wodurch das Unternehmen zu den 20 umsatzstärksten Firmen des Landes wurde. Das Unternehmen übergab den Repressionskräften der Diktatur die Privatadressen seiner Gewerkschaftsvertreter, um so die Entführungen im Werk zu verschleiern. Die Ausnahme davon bildete Héctor Ratto, der als Einziger an seinem Arbeitsplatz entführt wurde und vermutlich nur überlebte, weil seine Kollegen die Entführung direkt miterlebt hatten. 

Mercedes-Benz verkaufte dem Staat nicht nur seine Fahrzeuge, sondern garantierte auch ein stilles Werk, das auf Kosten der verschwundenen Arbeiter Profit machte. Innerhalb des Werksgeländes der deutschen Marke befand sich ein militärischer Überwachungsposten. 

Die Involvierung von Mercedes-Benz und seiner Mitarbeiter ist bis heute nicht abschließend aufgearbeitet. Noch immer gelten 14 Arbeiter des Werks als vermisst.

Der Deutschen Welle gegenüber erklärte Mercedes-Benz hingegen, dass ihre eigene unabhängige Kommission keine Beweise für entsprechendes Verhalten unter den ehemaligen Mitarbeitern gefunden habe. Eine Klage, die das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte in Deutschland vorgebracht hatte, wurde 2003 eingestellt. In Argentinien kam es erst 2023 zu einem Gerichtsverfahren gegen Vorgesetzte wegen der Verbindung zu der Entführung von sieben Arbeitern. Im Januar 2026 wurde bemängelt, dass der Prozess noch immer keinen Termin hat.

Dieser Text basiert zu Teilen auf einem spanischen Original von Esteban Viu erschienen in La Tinta.