Argentinien nimmt Abschied von Taty Almeida, Vorsitzende der Mütter der Plaza de Mayo

Aktivistin starb mit 95 Jahren. Tausende kamen zur Trauerfeier

1781479897611-422568075.jpeg

Taty Almeida, Aktivistin des Plaza de Mayo, verstarb am vergangenen Sonntag mit 95 Jahren im italienischen Krankenhaus von Buenos Aires
Taty Almeida, Aktivistin des Plaza de Mayo, verstarb am vergangenen Sonntag mit 95 Jahren im italienischen Krankenhaus von Buenos Aires

Buenos Aires. Die Vorsitzende der Mütter der Plaza de Mayo - Línea Fundadora, Lidia Estela Mercedes Miy Uranga, besser bekannt als Taty Almeida, ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Ihr Tod löste landesweit Bestürzung und Anteilnahme aus.

Die Mütter der Plaza de Mayo - Línea Fundadora würdigten eine ihrer Gründerinnen und ihre Vorsitzende in einer Mitteilung nach ihrem Tod: "Danke, dass du uns gelehrt hast, dass Lieben Widerstand bedeutet, dass der einzige Kampf, den man verliert, der ist, den man aufgibt, und dass es keine größere Kraft gibt als die der Liebe. (…) Danke für diese ganz eigene Fähigkeit von dir, schwierige Momente leichter zu machen, ohne dabei jemals die Tiefe deiner Überzeugungen zu verlieren."

"Wir versprechen, dein Andenken und das von Alejandro zu bewahren und dein Vermächtnis in jeden Winkel zu tragen. Und jedes Mal, wenn wir unsere Stimme für die 30.000 (der Verschwundenen der argentinischen Militärdiktatur) erheben, werden wir auch an dich erinnern", hieß es weiter.

Almeidas Weg zur Menschenrechtsaktivistin begann am 17. Juni 1975, als ihr 20-jähriger Sohn Alejandro von der antikommunistischen argentinischen Allianz, einer Todesschwadron, entführt wurde und verschwand. Seitdem suchte sie ihren Sohn. 1979 schloss sie sich der Gruppe von Müttern der Plaza de Mayo an, die jeden Donnerstag unweit vom Präsidentenpalast gegen die Militärdiktatur und das Verschwinden ihrer Liebsten demonstrierten.

Als 1986 die Diskussion um die Annahme von Entschädigungszahlungen, das Amnestiegesetz und die Zusammenarbeit mit Gerichten die Gruppe spaltete, gründete unter anderem Taty Almeida die Madres de Plaza de Mayo - Línea Fundadora (Gründungslinie)- Zeitgleich gründete sich die Asociación de Madres de Plaza de Mayo, angeführt von Hebe de Bonafini. Die Donnerstagsdemonstrationen gingen trotz der Spaltung der Gruppe unvermindert weiter.

Keine Werbung, keine Paywall, aber trotzdem Nachrichten aus Lateinamerika?

Das geht nur mit den Spenden unserer Leserinnen und Leser. Unterstützen Sie uns jetzt.

Kurz nach der Veröffentlichung der Nachricht ihres Todes nahmen zahlreiche Personen und Organisationen Abschied, darunter auch die ehemalige Präsidentin Argentiniens Cristina Fernández de Kirchner und Paraguays Ex-Präsident Fernando Lugo.

Lugo stellte heraus, dass Almeidas Einsatz, Mut und Konsequenz unauslöschliche Spuren im kollektiven Gedächtnis von Lateinamerika hinterlassen. Fernández würdigte sie als "unermüdliche Kämpferin, die das Leben geehrt hat." Ebenso drückte die Botschaft Palästinas in Argentinien den Angehörigen und Mitstreiterinnen Almeidas ihre Anteilnahme aus.

Auch der kubanische Staatschef Miguel Díaz-Canel sendete via der Plattform X eine Beileidsbekundung: "Unser tief empfundenes Beileid gilt dem argentinischen Volk, den Angehörigen und den Mitstreiterinnen der Madres de Plaza de Mayo."

Tausende Menschen nahmen an der Trauerfeier teil, die im Hauptsitz der Gewerkschaft der Arbeiter der Post und Telekommunikation (FOETRA) stattfand. Dort versammelten sich Angehörige, politische Weggefährten, Bürger und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, um von Almeida Abschied zu nehmen. Unter den Gästen befanden sich unter anderem der Schauspieler Pablo Echarri und die Menschenrechtsaktivistin und Mutter des Plaza de Mayo Estela de Carlotto, die an der Zeremonie mit geschlossenem Sarg teilnahmen.

Noch wenige Tage vor ihrem Tod hatte Taty Almeida aus dem Krankenhaus heraus, in dem sie sich fast drei Wochen lang befand, zur Teilnahme an einer Kundgebung in Erinnerung an die Bombardierung des Plaza de Mayo durch die argentinische Luftwaffe vor 71 Jahren aufgerufen. Damals hatte die argentinische Luftwaffe in einem Putschversuch den damaligen Präsidenten Juan Domingo Perón ermorden wollen und den Platz bombardiert, mindestens 308 Menschen kamen beim Putschversuch ums Leben.