Caracas. Die venezolanische Regierung hat nach mehreren Jahren der Unterbrechung die Beziehungen zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und zur Weltbank wieder aufgenommen. Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez bezeichnete den Schritt als bedeutend für die wirtschaftliche Stabilisierung und als Ergebnis längerer Verhandlungen.
Der IWF bestätigte die Wiederaufnahme der Beziehungen in einer offiziellen Mitteilung. Die Entscheidung sei von einer Mehrheit der Mitgliedstaaten getragen worden. IWF-Geschäftsführerin Kristalina Georgieva hatte zuvor erklärt, Venezuela benötige dringend wirtschaftliche Unterstützung. Auch die Weltbank kündigte an, die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen. Beide Institutionen hatten ihre Beziehungen 2019 ausgesetzt, nachdem die damalige US-Regierung unter Donald Trump und mehrere Verbündete den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt hatten.
Die aktuelle Entwicklung steht im Zusammenhang mit politischen Veränderungen seit Anfang 2026. Nach einer US-Militärintervention und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar übernahm Rodríguez die Führung des Landes. In der Folge näherten sich Caracas und Washington diplomatisch wieder an und vereinbarten die Wiederaufnahme bilateraler Beziehungen. Die Regierung in Washington erkannte Rodríguez im März als alleinige Regierungschefin an und hob die Sanktionen teilweise auf.
Vor diesem Hintergrund bemüht sich Venezuela um eine Normalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA. Beobachter:innen sehen die jüngsten Schritte auch als Teil eines breiteren Kurses, bei dem die Regierung wirtschafts- und ölpolitische Bedingungen aus Washington akzeptiert hat, um Erdölexporte auszuweiten und Investitionen zu erleichtern.
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Historisch hatte sich Venezuela unter Präsident Hugo Chávez kritisch gegenüber IWF und Weltbank positioniert. Chávez zog das Land 2007 aus der aktiven Zusammenarbeit zurück und kritisierte die Institutionen als Instrumente externer Einflussnahme. Gleichwohl blieb Venezuela formell Mitglied. Die jetzige Annäherung markiert daher eine deutliche Kursänderung. Im Fokus steht unter anderem der Zugriff auf rund 5,1 Milliarden US-Dollar an Sonderziehungsrechten des IWF.
Die Wiederaufnahme der Beziehungen erfolgt zudem vor dem Hintergrund hoher Auslandsschulden. Diese werden auf bis zu 170 Milliarden US-Dollar geschätzt. Marktteilnehmer:innen spekulieren auf mögliche Umschuldungen, was zuletzt zu Kursgewinnen bei venezolanischen Anleihen führte.
Parallel dazu treibt die Regierung Reformen voran, etwa im Energie- und Bergbausektor sowie im Steuer- und Arbeitsrecht. Auch institutionelle Veränderungen wurden eingeleitet: Der Ökonom Luis Pérez übernimmt die Leitung der Zentralbank von Laura Guerra.
Unterstützung für die Annäherung kommt auch aus den USA. Finanzminister Scott Bessent erklärte, Venezuela befinde sich auf einem Weg zurück zu einer funktionierenden Volkswirtschaft. Zugleich wurden Sanktionen gegen Teile des venezolanischen Bankensektors gelockert, um begrenzte Finanztransaktionen wieder zu ermöglichen.

