Peru / Politik

Knappes Rennen bei Wahlergebnissen in Peru: Linker Sánchez liegt vorn

Die letzten Stimmen aus ländlichen Regionen und von Peruanern im Ausland sind entscheidend. Im Parlament und im Senat hat keiner der Kandidaten eine Mehrheit

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In der Auszählung liegt der linke Kandidat Roberto Sánchez knapp vorn und könnte am Ende als Sieger hervorgehen.
In der Auszählung liegt der linke Kandidat Roberto Sánchez knapp vorn und könnte am Ende als Sieger hervorgehen.

Lima. In Peru könnte sich ein linker Wahlsieg abzeichnen. Nach Auszählung von über 97 Prozent der Stimmen hat Roberto Sánchez von der Partei Juntos por el Perú (Zusammen für Peru) seine ultrarechte Gegenkandidatin Keiko Fujimori von der Partei Fuerza Popular (Volkskraft) überholt. Zunächst hatte Sánchez mit rund 36.000 Stimmen vorn gelegen, nach von der Wahlbehörde Onpe veröffentlichten Zahlen von Mittwochmorgen, 9:32 Uhr (Ortszeit), beträgt der Abstand nur noch 9.000 Stimmen. Demnach kommt Sánchez auf 50,02 Prozent, Fujimori auf 49,98 Prozent, was einem faktischen Gleichstand entspricht. Ausgezählt sind genau 97,71 Prozent der Stimmen. 

Nach einem Bericht von CNN ist der Ausgang weiter ungewiss. Ausgezählt werden bei den letzten Wahlzetteln vor allem die Stimmen aus den abgelegenen "Urwald- und Bergregionen" des Landes, in denen Sánchez mehr Zuspruch hat, aber auch noch die Stimmen der Peruaner im Ausland, wo wiederum die Sympathien eher bei Fujimori liegen, heißt es in dem Bericht.

Sánchez hatte noch nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Stimmen mit über fünf Prozent zurückgelegen. Ähnliches hatte sich bei der ersten Wahlrunde abgespielt, als Sánchez zunächst auf dem vierten Platz lag und durch die Auszählung der letzten Stimmen noch in die Stichwahl kam.

CNN spricht von einem "déjà vu" der Wahlen von 2021. Damals hatten sich Pedro Castillo, der als politischer Vorgänger von Sánchez gilt, und Fujimori, die damals auch in der Stichwahl war, ein ähnlich knappes Rennen geliefert. Am Ende hatte sich Castillo mit 50,13 Prozent gegenüber Fujimori mit 49,87 Prozent und einem Vorsprung von etwa 44.000 Stimmen denkbar knapp durchgesetzt.

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Castillo hatte seine Amtszeit aber nicht bis zum Ende durchführen können. Nach mehreren Misstrauensanträgen der rechten Parlamentsmehrheit wollte er im Dezember 2022 das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Stattdessen wurde er inhaftiert und seine bisherige Vizepräsidentin Dina Boluarte übernahm die Präsidentschaft. Die rechte Opposition hatte die Vorgänge damals als "Selbstputsch" von Castillo bezeichnet, seine Anhänger dagegen sahen darin einen Putsch rechter Kreise. In wochenlangen Protesten gegen Boluarte kamen mindestens 30 Menschen ums Leben.

In der aktuellen Abgeordnetenkammer und im Senat hätte keiner der beiden Kandidaten eine Mehrheit. Fujimori wäre allerdings im Vorteil. Ihre Partei ist in beiden Kammern die stärkste Kraft.

In der 130-köpfigen Abgeordnetenkammer hat Fuerza Popular 41 Sitze, Juntos por el Perú von Sánchez ist mit 32 Sitzen die zweitstärkste Kraft. 18 Sitze hat die in der politischen Mitte stehende Partido del Buen Gobierno (Partei der Guten Regierung), 15 die ultrarechte Renovación Popular (Volkserneuerung). Die Mitte-links stehende Partido Cívico Obras hat 14 Abgeordnete. Sie hat vor der Stichwahl ein Abkommen mit Juntos por el Perú getroffen und sich zur Unterstützung von Sánchez verpflichtet. Von den 60 Senatoren stellt Fuerza Popular 22, gefolgt von Juntos por el Perú mit 14.