Erinnerung an die "Schlacht von Maria Antônia"

batalha_da_maria_antonia.jpg

Straßenkämpfe während der "Batalha da Maria Antônia"
Straßenkämpfe während der "Batalha da Maria Antônia"

Zum 45. Jahrestag der sogenannten Batalha da Maria Antônia (Schlacht von Maria Antônia) erinnert eine vom Theater der Universität von São Paulo (USP) organisierte Veranstaltungsreihe an die Ereignisse vom Oktober 1968. In diesem Jahr kam es zu einer Straßenschlacht zwischen linken Studierenden der USP und rechtsgerichteten Studenten der Mackenzie Universität, in deren Folge der Student José Carlos Guimarães getötet wurde. Zwischen dem 1. und 9. Oktober finden auf dem Campus der USP Film- und Theatervorführungen statt, die sich mit den Konfrontationen vom 3. Oktober 1968 auseinandersetzen. Zudem hält die Psychoanalytikerin und Professorin Irene Cardoso einen Vortrag.

Das Jahr 1968 gilt nicht nur in Europa als Symbol für den studentischen Widerstand. Auch in Brasilien erreichten in diesem Jahr die Proteste gegen die seit 1964 herrschende Militärdiktatur ihren Höhepunkt. Diese gipfelten in dem "Marsch der Hunderttausend" in Rio de Janiero, der bis heute als eines der wichtigsten Ereignisse des Widerstandes gegen die Militärregierung gilt.

Am 3. Oktober 1968 kam es zur sogenannten Batalha da Maria Antônia. Der Name bezieht sich auf eine Straße im Zentrum São Paulos, auf der sich damals sowohl die staatliche USP als auch die Privatuniversität Mackenzie befanden. Trotz unmittelbarer Nachbarschaft beider Universitäten hätten die politischen Ausrichtungen ihrer Studenten nicht unterschiedlicher sein können. Während die große Mehrheit der Studierenden der USP linke Ideen vertrat und offen Widerstand gegen die Militärdiktatur leistete, war ein Großteil der Mackenzie Studenten rechtsgerichtet und zum Teil in faschistischen Gruppen wie dem Comando de Caça aos Comunistas (Kommunisten-Jagdkommando) organisiert.

Die Auseinandersetzungen auf der Rua Maria Antônia begannen, nachdem rechte Studenten der Mackenzie-Universität Studenten der USP mit Eiern bewarfen, die mit einer Straßenmaut Geld für die von der Militärdiktatur verbotene Nationale Studentenvereinigung União Nacional dos Estudantes (UNE) sammeln wollten. Provokationen und Übergriffe waren zur dieser Zeit auf der Tagesordnung, doch diesmal setzten sich die Studierenden der USP zur Wehr und schnell entwickelte sich eine schwere Straßenschlacht mit mehreren tausend Beteiligten. Fast zwei Tage dauerten die Kämpfe an und verwandelten die Rua Maria Antônia in einen "Kriegsschauplatz". Mackenzie-Studenten und Mitglieder antikommunistischer Gruppen setzen die Philosophische Fakultät der USP mit Molotov-Cocktails in Brand. Sie musste daraufhin auf den Universitätscampus im Stadtteil Butantã umziehen, wo sie sich bis heute befindet. Der 20-jährige USP-Student José Carlos Guimarães wurde durch einen aus einem Gebäude der Mackenzie-Universität abgefeuerten Kopfschuss getötet. Bis heute ist ungeklärt, wer für seinen Tod verantwortlich ist, jedoch schließen viele eine Beteiligung der Polizei an dem Mord nicht aus.

Für die Linke in Brasilien waren die "Schlacht von Maria Antônia" und das Jahr 1968 sowohl Ausdruck eines breiten und radikalen Widerstands als auch die schmerzliche Erfahrung der Niederlage und Repression. So bereitete die staatliche Willkür noch im gleichen Jahr dem studentischen Widerstand ein Ende und zerschlug diesen gewaltsam. Auch wenn kommende Woche die USP an die Ereignisse vom 3. Oktober 1968 erinnert, wird es darum gehen, den traurigen Ereignissen des Tages zu gedenken und zudem an diejenigen zu erinnern, die sich offen der Militärdiktatur widersetzten.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr