DruckversionEinem Freund senden

Tödliche Gewalt und Polizeifolter in Honduras

Am vergangenen Wochenende wurden zwei Aktivisten der indigenen Bewegung ermordet. Mehrere Personen verletzt. Linkspartei LIBRE im Visier
Bei der Basisversammlung vor den Attentaten

Bei der Basisversammlung vor den Attentaten

Quelle: facebook.com

Tegucigalpa. In Honduras ist es erneut zu zwei tödlichen Angriffen gegen Menschenrechtsaktivisten und Vertreter der Opposition gekommen. Die Indigenen-Organisation COPINH hat Angehörige der regierenden Nationalen Partei für die Angriffe verantwortlich gemacht und fordert Ermittlungen.

Den Schilderungen zufolge hatte in der indigenen Gemeinde der Lenka-Volksgruppe San Francisco de Opalaca eine Gruppe von Angestellten des ehemaligen Bürgermeisters Socorro Sánchez das Feuer auf Irene Meza und Plutarco Bonilla eröffnet. Die beiden Opfer des Anschlags gehören der linksgerichteten Oppositionspartei LIBRE an und unterstützen die Organisation COPINH. Meza und Bonilla kamen von einer Bürgerversammlung, bei der Unregelmäßigkeiten der Amtsführung des Politikers Socorro Sánchez von der regierenden Nationalen Partei geklärt wurden. Bei dem Treffen wurde zudem das weitere Vorgehen beim Aufbau einer autonomen indigenen Gemeindeverwaltung diskutiert.

Meza, der Schussverletzungen in Brust und Bauch erlitt, wurde in ein Krankenhaus gebracht. Auf dem Weg dahin nahm eine weitere Gruppe schwer bewaffneter Männer das Fahrzeug unter Beschuss, was zum Tode Mezas und weiteren Verletzten führte. Die mindestens sieben maskierten Männer, die das Attentat verübten, konnten nach Medienberichten als Gefolgsleute des Ex-Bürgermeisters Sánchez namentlich identifiziert werden.

Vertreter der Lenca-Selbstverwaltung von San Francisco Opalaca und der Partei LIBRE machen laut dem Online-Magazin der Menschenrechtsorganisation COFADEH Socorro Sánchez und weitere Angehörige der Nationalen Partei für die Bluttat verantwortlich.

Seit mehr als vier Monaten beklagen Bürgerinnen und Bürger von San Francisco de Opalaca, dass es im November 2013 einen Wahlbetrug gegeben habe. Nach offiziellen Angaben führte die Gemeinderatswahl zu einem Stimmen-Patt zwischen Socorro Sánchez, dem bisherigen Bürgermeister der rechtsgerichteten Nationalen Partei, und Entimo Vásquez von der linken Partei LIBRE. Das Oberste Wahlgericht sprach den Posten daraufhin Sánchez zu, was zu Protesten führte. Aktivisten blockieren seither das Bürgermeisteramt und die indigenen Selbstverwaltungsorgane erklärten Entimo Vásquez zum legitimen Bürgermeister der Gemeinde. Dabei berufen sie sich auf die im ILO-Artikel 169 festgeschriebenen Rechte auf indigene Selbstverwaltung.

Der politische Konflikt war zuvor schon in Gewalt gemündet: Bereits im Februar dieses Jahres wurde die Leiche des Bruders von Entimo Vásquez, Justiniano Vásquez, gefunden. Sie wies starke Verletzungen und Fesselspuren an den Handgelenken auf.

In ihrer Erklärung beklagt COPINH zudem den Mord an William Jacobo Rodríguez, einem "engagierten Kämpfer für die Verteidigung des Rio Gualcarque gegen das Staudammprojekt Agua Zarca", welches die honduranische Gesellschaft DESA auf dem Lenca-Territorium unterhalb der Gemeinde Rio Blanco errichten will.

Der Aktivist wurde demnach in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai auf dem Rückweg zu seinem Haus erschossen. Obwohl eine Person den Mord bereits gestanden hatte und die Tat nicht unbedingt in direktem Zusammenhang mit dem Staudammprojekt steht, nahm die örtliche Polizeieinheit nach Angaben von COPINH den Vorfall zum Anlass für eine Razzia in mehreren privaten Häusern. Dabei wurden die COPINH-Mitglieder Lindolfo Benítez und Salvador Sánchez festgenommen und über Nacht auf der Polizeiwache gefoltert. Der Polizeiposten wurde im Zuge des Konfliktes um das Staudammprojekt in den Gebäuden der DESA eingerichtet. Darüber hinaus seien bei der Razzia Minderjährige sowie Francisco Javier Sánchez, der Präsident des Indigenen Rates von Rio Blanco und leitender Mitarbeiter von COPINH, mit dem Tode bedroht worden.

Berta Cáceres, Direktorin von COPINH, sieht in den Vorfällen eine Reaktion auf das wachsende Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerung. Dem gegenüber stehe ein steigendes Interesse der honduranischen Regierung, des Territorium der Lenca-Volksgruppe zu nutzen, um weitere Staudamm- und Minenprojekte zu etablieren. COPINH macht Präsident Juan Orlando Hernández von der Nationalen Partei, den honduranischen Sicherheitsapparat und die transnationalen Konzerne für den Terror und die Kriminalisierung gegen die indigene Bewegung verantwortlich.

Die Organisation fordert auch eine sofortige Untersuchung der beiden Vorfälle, die Anwendung von rechtsstaatlichen Mitteln gegen die Täter und den Abzug des Militär- und Polizeistützpunktes aus Rio Blanco. Der Aufbau der indigenen Selbstverwaltung und die Verteidigung des indigenen Territoriums werde weitergehen, so COPINH.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

28.05.2014 Nachricht von Johannes Schwäbl
21.05.2014 Nachricht von Johannes Schwäbl