Kolumbien / Kultur

Escobar – Paradise Lost

Ein Film von Andrea Di Stefano

escobar.p.lcmikacotellon_alamodefilm4.jpg

Escobar eröffnet eine Klinik, die mit seinen Mitteln renoviert wurde
Escobar eröffnet eine Klinik, die mit seinen Mitteln renoviert wurde
Kolumbien 1991: Es ist Nacht, bei tropischer Hitze ruckelt ein Geländewagen durch einen Wald, auf der Rückbank ein junger Mann mit verbundenen Augen. Ziel des Wagens ist ein Versteck des zu diesem Zeitpunkt wohl berühmtesten Drogenhändlers der Welt: Pablo Escobar (Benicio Del Toro). Es ist die Nacht vor dem Tag, an dem Escobar sich der Justiz stellen und ins Gefängnis gehen wird. Um seinen Reichtum in Sicherheit zu bringen, ruft er noch einmal vertraute Handlanger zu sich. Die Perspektive des jungen Mannes auf der Rückbank des Geländewagens auf die nun folgenden und die bereits zurückliegenden Geschehnisse gibt den Handlungsverlauf des Films "Escobar – Paradise Lost" von Andrea Di Stefano vor. 
Rückblende - einige Jahre zuvor: Nick, gespielt von Josh Hutcherson, und sein Bruder wollen sich in Kolumbien den Traum von einer Surfschule erfüllen und beginnen, an einem idyllischen, scheinbar verlassenen Strand aus ein paar Holzbalken ihr Camp zu errichten. Bei einem Ausflug in den nahegelegenen Ort lernt Nick Maria (Claudia Traisac) kennen, Escobars Nichte, und schon bald ist er nicht nur schwer verliebt, sondern auch in den Kreis der großen Familie von "Onkel Pablo" aufgenommen. Der mächtige "Patrón", der von der Bevölkerung als Wohltäter gefeiert wird, duldet das unbeschwerte Liebesglück zunächst wohlwollend - ein Zustand von nicht allzu langer Dauer.
Auf einer Geburtstagsfeier auf der Luxus-Hacienda Escobars stellt Nick die ebenso simple wie naive Frage, womit der Onkel eigentlich so viel Geld verdient habe. Die Antwort ist der Beginn der unheilvollen Verwicklung von Nick in Escobars Kosmos. Zunächst unbedarft, schließlich die Gefahr erkennend, lässt Nick sich mehr und mehr in die Machenschaften des Medellín-Kartells verstricken und die eigene Hoffnung, dass alles schon nicht so schlimm kommen werde wie befürchtet, zerschlägt sich schnell.
Der Film beruht teilweise auf Fakten, teilweise ist er fiktiv; dabei zeichnet er ein durchaus komplexes Bild des berüchtigten Drogenbosses. Der liebevolle Familienmensch, der die Armen mit Schulen, Krankenhäusern und Almosen versorgt, dirigiert, während er selbst mit einer pinken Wasserpistole seine Kinder im Pool nass spritzt oder ihnen das Dschungelbuch vorliest, gleichzeitig ein Heer aus brutalen und skrupellosen Handlangern. Um seinen unermesslichen Reichtum zu schützen und um seine eigene Zukunft, aber auch die seiner Familie finanziell abzusichern, schreckt er vor nichts zurück. In der Folge überschlagen sich die Ereignisse. Die psychologischen Konflikte, denen vor allem Nick ausgesetzt ist, sowie die Omnipräsenz Escobars, auch wenn er gar nicht im Bild ist, kreieren eine intensive Spannung, die in einem dramatischen Ende gipfelt.
Der Film "Escobar – Paradise Lost" kommt am 9.7.2015 in die deutschen Kinos.
Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr