Kolumbien / Politik

FARC-Guerilla: Wir sind keine Drogenhändler

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Delegierte der FARC-Friedensdelegation bei der Pressekonferenz am 14. Dezember. Carlos Antonio Losada verliest das Kommuniqué "Wir sind Rebellen, keine Drogenhändler"
Delegierte der FARC-Friedensdelegation bei der Pressekonferenz am 14. Dezember. Carlos Antonio Losada verliest das Kommuniqué "Wir sind Rebellen, keine Drogenhändler"

Havanna. Die Friedensdelegation der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hat in der Hauptstadt Kubas Versuche, die Aufständischen mit dem Drogenhandel in Verbindung zu bringen, zurückgewiesen. Die FARC reagierten damit in einem Kommuniqué auf Äußerungen des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos auf dem Iberoamerikanischen Gipfel in Mexiko. Dieser stellte Überlegungen an, ob die Straftaten der Aufständischen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel bei einem erfolgreichen Friedensschluss als politische Delikte bewertet werden sollten.

Unter dem Titel "Wir sind Rebellen, keine Drogenhändler" erklärte die Delegation der Rebellen, Santos beabsichtige ein verzerrtes Bild der Guerilla zu zeichnen. Ihr "uneigennütziger und humanistischer Kampf" beziehe sich auf das legitime Recht zum Aufstand. Die FARC hätten immer mit Verantwortlichkeit und Engagement in der öffentlichen Debatte das Phänomen des Drogenhandels als soziales und weltweites Problem behandelt, dessen Lösung die Zusammenarbeit der Nationen erfordere. Ihr Kampf sei eingegrenzt auf die Durchführung politischer und militärischer Aktionen im Zusammenhang der Rebellion. Darin eingeschlossen seien Handlungen zur Finanzierung, "die verschiedene Sektoren berührt haben, einschließlich der Händler aller Arten von legalen und illegalen Waren". Die Guerilla habe sich weder an der Kultivierung von Marihuana, Koka oder Mohn noch an der Produktion oder Vermarktung illegaler Drogen beteiligt. Ein Geschäft, das der persönlichen Bereicherung diene, könne nie als uneigennützig und revolutionär zugelassen werden, umso weniger, wenn damit kriminelle transnationale Organisationen und Netzwerke verbunden seien, deren "Nest die weltweite Finanzmacht" sei.

Im Falle Kolumbiens habe sich diese Macht in Gruppen der Bankenwelt, in den Führungsspitzen der wirtschaftlichen und politischen Eliten herauskristallisiert, die mit Geldwäsche, Spekulation, Bauwirtschaft, Industrie, Großgrundbesitz, und Paramilitarismus verbunden seien seit der Zeit, als der Direktor der Luftfahrtbehörde zwischen 1980 und 1982 den Drogenbossen Hunderte von Lizenzen für den Flugverkehr und den Bau von Landebahnen erteilt hatte. Dieser Direktor war der spätere Präsident Kolumbiens, Àlvaro Uribe.

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Auf einer Pressekonferenz in Bogotá stieß Santos wegen seiner Äußerungen auf Erklärungsbedarf. Der Präsident erläuterte, dass Maßnahmen für die Postkonfliktzeit, wenn die Aufständischen am politischen Leben des Landes teilnehmen wollten, erst in der Prüfungsphase seien. Er werde niemals akzeptieren, dass der Drogenhandel als politisches Delikt angesehen werde. Im Falle der Rebellen müsse diese Debatte aber begonnen werden.

Wie der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur am gestrigen Mittwoch berichtete, haben die FARC indes eine einseitige unbefristete Waffenruhe angekündigt.

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