"Spiegel"-Bilder Venezuelas

Was nicht passt wird passend gemacht

„Home, Sweet Home“, stand auf einem Wandteppich über dem Flursofa in meiner ersten WG. Das ästhetisch fragwürdige Accessoire stammte von dem Flohmarkt um die Ecke und erinnerte uns an die Vorzüge des Studentendaseins. Bei dem Wittrock Phillip daheim hängt vermutlich auch ein solches Requisit. „Was nicht passt, wird passend gemacht“, könnte darauf stehen. Dem Motto folgte der ehemalige Schreiber bei der „Rheinischen Post“ („Zeitung für christliche Kultur“) und derzeitige Mitarbeiter im Politikressort von "Spiegel Online", als er heute Morgen eine Meldung zur Kabinettsreform in Venezuela bearbeitete.

Der dpa-Text berichtete über die Umstrukturierung unter Berufung auf eine Sendung des venezolanischen Staatssenders VTV vom Vorabend. Wittrock, das mag der frühen Stunde geschuldet gewesen sein, übernahm den Agenturbeitrag vollständig. Darin heißt es zwar:

Gründe für die weitgreifenden Änderungen in seiner Regierungsmannschaft gab Chávez nicht an.

Doch Wittrock leitete den Text anders ein:

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Er tat es als Ausrutscher ab, doch die Niederlage wiegt immer noch schwer: Einen Monat nachdem Hugo Chávez mit seiner sozialistischen Verfassungsreform scheiterte, hat der venezolanische Präsident offenbar die Schuldigen für die Schlappe ausgemacht: 13 Minister müssen gehen.

Die politische Intention des Autors ist zu erkennen, misslungen ist diese Darstellung trotzdem. Denn weder hat Chávez Schuldige ausgemacht, noch muss einer der genannten Minister gehen. Nach bisherigen Informationen werden lediglich zwei Minister, Jorge Rodríguez und William Lara, die Ressorts wechseln.

Was beweist: Beim „Spiegel“ wiegt die ideologische Festigkeit mitunter stärker als die journalistische Wahrheitspflicht.

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