Kommuniqué der Indigenen Gemeinde aus Guerrero, Mexiko

Indigene Gemeinschaften der Region “Montaña Baja” organisieren sich gegen den Krieg der Narco-Paramilitärs. Sie rufen zu Solidarität auf

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Mitglieder des Indigenen Rates
Mitglieder des Indigenen Rates

Wir dokumentierten das Kommuniqué des Indigenen und Popularen Rates von Guerrero Emiliano Zapata (CIPOG-EZ) vom 6. Juni

Für uns sind diese Unterstützung, diese Worte und diese Aktionen ein Licht inmitten der Dunkelheit und des Schreckens.

Obwohl wir uns als indigene Organisationen bisher vergeblich an die staatlichen und föderalen Institutionen gewandt haben, um den Krieg zu stoppen, den die narcoparamilitärischen Gruppen gegen unsere Völker begonnen haben; angesichts der feigen und abscheulichen Ermordungen unserer Compañeros José Lucio Bartolo Faustino, Modesto Verales Sebastián, Bartolo Hilario Morales und Isaías Xanteco Ahuejote; obwohl diese Banden weiterhin Morde in unseren Gemeinschaften durchführen und Mitglieder des CIPOG-EZ mit dem Tode bedrohen; obwohl die Stromleitungen zu einer Reihe von Ortschaften gekappt und Kontrollposten an den Wegkreuzungen in der Nähe der Ortschaften Atzacoaloya, Jagüey und Hueycantenango aufgestellt worden sind, um so unsere Gemeinschaften immer mehr in die Situation einer paramilitärischen Belagerung zu versetzen; trotz aller direkten Konsequenzen dieser Handlungen: das Fehlen von Nahrungsmitteln, der psychologische Terror, die gewaltsamen Vertreibungen, die selektiven Ermordungen; trotz alledem verschließen die Regierungsstellen auf allen drei Ebenen des Staates auch weiterhin ihre Ohren. Wir befinden uns in einem Staat, der absolut nichts tut, um uns zu helfen.

Angesichts des narcoparamilitärischen Terrors und der fehlenden Reaktion des Staates erklärt sich das Gemeinschaftsterritorium Montaña Baja als 'Gemeinschaften des CNI-CIG im Widerstand', um ein Massaker seitens der paramilitärischen Gruppen zu verhindern. Das bedeutet, dass unser Territorium auch für VertreterInnen aller politischen Partei sowie aller Regierungsbeamten geschlossen ist, denn diese sind bisher nur gekommen, um uns zu verlachen. Jedwede Kommunikation hat ab jetzt direkt mit unseren permanenten Versammlungen stattzufinden, die von den zivilen und agrarischen Autoritäten des Concejo Indígena y Popular de Guerrero – Emiliano Zapata geleitet werden.

Wir wiederholen, dass unser Kampf zivilgesellschaftlich und pazifistisch ist, dass wir uns jedoch nicht nur mit unserem Willen gegen die narcoparamilitärischen Banden widersetzen können; deshalb werden wir ab heute alle notwendigen Barrikaden errichten, von denen aus Männer und Frauen all unserer Gemeinschaften unser Territorium verteidigen werden, denn heute nehmen wir das Schicksal unseres kollektiven Lebens in unsere Hand.

Schwestern und Brüder, aus dem Herzen des Widerstands unserer Völker senden wir diesen Aufruf an alle Völker, Nationen und Gemeinschaften des Congreso Nacional Indígena; an die Organisationen, Netzwerke, Kollektive, Männer und Frauen in Würde und mit dem Herz auf dem richtigen Fleck, uns bei unserer Kampagne der finanziellen Solidarität sowie zur Sammlung von Lebensmitteln, die nötig ist, um unseren Widerstand zu unterstützen. (…)

Als indigene Völker der Region Montaña Baja von Guerero und Mitglieder des CIPOG-EZ (…) unterstreichen wir, dass in unseren Gemeinschaften die Entscheidungen aller Völker im Widerstand kollektiv getroffen werden, in voller Übereinstimmung mit unseren traditionellen Organisationsformen. Wir suchen nicht die Konfrontation und unser Kampf ist ein Kampf für das Leben. Unsere Stimme und unsere Entscheidungen entspringen unseren permanenten Versammlungen; jede Art von Austausch und Verhandlung hat mit dieser kommunitären Struktur stattzufinden.

Von den narcoparamilitärischen Gruppen fordern wir einen sofortigen Waffenstillstand sowie ein Ende des Krieges. Auch dem mexikanischen Staat sagen wir, dass wir nicht die Konfrontation suchen; wir fordern nur die Achtung unseres Landes und unseres kommunitären Territoriums; die Anerkennung unserer gemeinschaftlichen Institutionen, die wir bisher geschaffen haben und im Verlauf dieses Prozesses weiter ausbilden werden. Der Respekt gegenüber unserer Autonomie als Völker darf für den mexikanischen Staat allerdings auf keinen Fall eine Ausrede dafür sein, dass seine Institutionen tatenlos zusehen, wie wir dem Elend und dem Tode ausgeliefert werden. Der Staat hat seine obligatorischen Aufgaben wahrzunehmen, was die Anerkennung sowie die Koordination mit unseren Organisationsstrukturen sowie mit unseren kommunitären Autoritäten angeht.

Wir haben uns selbst regiert; wir haben unsere eigenen gemeinschaftlichen Institutionen gebildet; wir haben unsere Territorien kollektiv verwaltet; wir leben von unserer Erde und wir verteidigen diese, weil sie uns das Leben gibt. Wir wissen, dass auf uns der Tod lauert, aber es ist auch kein Leben, Sklaven der Narcoparamilitärs zu sein.

Aus dem Herzen des Widerstands im gemeinschaftlichen Territorium Montaña Baja von Guerrero

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