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Nach Abkommen: Bolivien fordert Auslieferung von Ex-Präsident

La Paz. Bolivien will die Auslieferung von Ex-Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada auf die Tagesordnung der gemeinsamen Kommission mit den USA setzen. Diese Kommission ist im Abkommen zwischen beiden Staaten vorgesehen, das in der vergangenen Woche getroffen wurde. Boliviens Vizeaußenminister Juan Carlos Alurralde, der das Abkommen unterzeichnet hat, sagte gegenüber der staatlichen Zeitung Cambio, dass sein Land dieses Thema auf der ersten Sitzung der Kommission ansprechen werde. Kurz nach der Unterzeichnung hatte bereits Außenminister David Choquehuanca angekündigt, dass die Auslieferung besprochen werde.

Laut der gemeinsamen Erklärung der beiden Staaten ist eine bessere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Strafverfolgung eines der Themen, die in dem bilateralen Abkommen festgehalten ist. Der genaue Inhalt ist jedoch bislang unbekannt. Die Auslieferung von Ex-Präsident Sánchez de Lozada (1993-1997 und 2002-2003) durch die USA wurde vom obersten Gericht Boliviens bereits im Jahr 2007 gefordert. Dem neoliberalen Politiker wird vorgeworfen, im sogenannten "Gas-Krieg" im Oktober 2003 für den Tod von mehr als 60 Demonstranten und mehr als 400 Verletzte verantwortlich zu sein. Nach den Ereignissen war er zurückgetreten und in die USA geflohen.

Im "Gas-Krieg" hatten tausende Bewohner von El Alto gegen den von Sánchez de Lozada geplanten Export bolivianischen Gases in die USA protestiert, da dieses zu viel zu geringen Preisen verkauft werden sollte. In diesem Jahr wurden bereits zwei Ex-Minister der Regierung und fünf Ex-Militärs zu Strafen von drei bis 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sánchez de Lozada genießt politisches Asyl in den USA und gilt immer noch als reichster Mann Boliviens.

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