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Ernesto Kroch ist tot

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Ernesto Kroch
Ernesto Kroch

Frankfurt. Der deutsch-​uruguayische Kommunist Ernesto Kroch ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 95 Jahren in Frankfurt am Main verstorben. Als junger Mensch erlebte der Schriftsteller und Journalist den Aufstieg des Faschismus in Deutschland. Mit seinen Freunden aus dem deutsch-jüdischen Jugendbund "Kameraden" schloss er sich nach dem 30. Januar 1933 einer Widerstandsgruppe an. Am 9. November 1934 wurde er deswegen verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung kam er ins Konzentrationslager Lichtenburg. Anfang 1937 konnte er Deutschland verlassen und kam über Jugoslawien Ende 1938 nach Uruguay. Auch dort blieb er politisch aktiv, engagierte sich im "Deutschen Antifaschistischen Komitee", später in der Gewerkschaft und der Kommunistischen Partei. Als im Juni 1973 in Uruguay das Militär die Macht übernahm, arbeitete er wieder im Untergrund. Um seiner drohenden Verhaftung zu entgehen, floh er 1982 in die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1985 lebt er wieder in Uruguay. Seine Lebensgeschichte hat Ernesto selbst in seinem Buch "Heimat im Exil – Exil in der Heimat" erzählt.

Ernesto Kroch, der bis zuletzt für das politische Kulturzentrum Casa Bertolt Brecht in Montevideo tätig war und unter anderem für die Lateinamerika-Monatszeitschrift ila schrieb, verstarb im Kreis seiner Familie in einem christlich-jüdischen Seniorenheim in Frankfurt. Dorthin war er vor einigen Wochen aus Uruguay gekommen.

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