Hetzjagd auf Befreiungstheologen in Oaxaca

Bergbaulobby will in Konflikt um Goldmine offenbar kritische Stimmen zum Schweigen bringen. Menschenrechtler sehen Leben von Pastoren in Gefahr

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Logo des Menschenrechtszentrums "Bartolomé Carrasco Briseño"
Logo des Menschenrechtszentrums "Bartolomé Carrasco Briseño"

Mexiko-Stadt. Im Konflikt zwischen multinationalen Bergbaukonzernen und der indigenen Bevölkerung von Oaxaca um den in der Region geplanten Goldbergbau sind zwei katholische Befreiungstheologen ins Kreuzfeuer geraten. In dem südlichen mexikanischen Bundesstaat veranstalten die Bergbaulobby und Mitglieder der Regierung von Gouverneur Ulises Ruiz mit Hilfe der von ihnen kontrollierten Medien eine Hetzjagd auf die beiden Pastoren Martín Octavio García Ortiz und Wilfrido Mayrén Peláez, letzterer ist landesweit bekannt als "Padre Uvi". Das Menschenrechtszentrum "Bartolomé Carrasco Briseño" zu dessen Gründern die beiden gehören, fürchtet um ihre Sicherheit und hat ebenso wie Amnesty International zu einer Eilaktion aufgerufen.

Die Tortur von Padre Martín Octavio García Ortiz nahm am 19. Juni dieses Jahres in dem Dorf San José del Progreso ihren Anfang, als er entführt, misshandelt und anschließend von der Staatspolizei aufgrund haltloser Verleumdungen seiner Peiniger festgenommen wurde. Stunden zuvor waren in der Nähe des Ortes bei einem Zusammenstoß zwischen BefürworterInnen und GegnerInnen der kanadischen Goldmine Fortuna Silver/Cuscatlán zwei Personen getötet und mehrere verletzt worden. Der Bürgermeister Oscar Venancio Martínez Rivera und sein Mitarbeiter Félix Misael Hernández, die beide für das Minenunternehmen arbeiteten, waren erschossen worden, als Einheimische versuchten den Abtransport von Kies für den Ausbau einer Straße zu verhindern. Zwei Stunden später wurde Padre Martín auf dem Weg zur Messe von Leuten aus der Gruppe um den Bürgermeister gekidnappt, brutal geschlagen und bis in die Nacht hinein misshandelt.

Die Staatspolizei erreichte am Abend mit einem Aufgebot von 30 Fahrzeugen den Ort San José und fahndete mit Hunden nach den an der Schießerei beteiligten. Dabei wird Padre Martín gefunden, aber nicht etwa befreit, sondern zusammen mit neun weiteren Minengegnern festgenommen und nach Oaxaca gebracht. Nach 12 Tagen Haft wird er auf Druck des Menschenrechtszentrums BARCA freigelassen und befindet sich seitdem im Exil. Eine Woche später kommen acht der inhaftierten Minengegner ebenfalls frei.


Ein ausführlicher Artikel zu dem Thema ist erschienen in Poonal Nr. 908.

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