Venezuela gedenkt Caracazo

Demonstration zum Jahrestag des Volksaufstands im Februar 1989. Interpretation als "erste Schlacht gegen den Neoliberalismus"

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Demonstranten erinnern an den Caracazo: "Nein zur Straffreiheit"
Demonstranten erinnern an den Caracazo: "Nein zur Straffreiheit"

Caracas. Ein großer Marsch erinnerte am Sonntag in der venezolanischen Hauptstadt Caracas an den "Caracazo" genannten Volksaufstand vor 22 Jahren. Am 27. und 28. Februar 1989 explodierte der Zorn der armen Bevölkerung in Guarenas und Caracas und führte zu einem unorganisierten, wilden Aufstand gegen die Härten der neoliberalen Politik der sogenannten Vierten Republik. Die damalige Regierung unter Präsident Carlos Andrés Pérez ließ die Erhebung in den Straßen durch Polizei und Armee massakrieren. In der historischen Forschung werden Zahlen von bis zu 5.000 Toten und hunderten Verschwundenen genannt.

Die Demonstration wurde angeführt von Außenminister Nicolas Maduro und dem Abgeordneten der Nationalversammlung und PSUV-Führungsmitglied Aristóbulo Isturriz und zeigte, wie präsent die Tragödie von 1989 in der Erinnerung der unteren Schichten geblieben ist. Die Demonstration startete mitten im Stadtgebiet der wohlhabenden Bevölkerung und führte in den Stadtteil Petare, ein Gebiet großer Barrios. Es waren diese Armenviertel, die während des Aufstandes von 1989 die größten Opferzahlen zu beklagen hatten.

In einer Rede auf der Abschlusskundgebung prangerte Präsident Hugo Chávez die Haltung der politischen Repräsentanz der Oberschicht an. Sie beschweige bis heute die damaligen Ereignisse und verharre teilweise sogar in der Tradition der Täter. Die Bolivarische Revolution sieht heute den Caracazo als ihren zeitgenössischen Auftakt. Der Rebellion folgten später organisierte Formen wie die Militärrebellionen von Februar und November 1992. Mit den Wahlsiegen von Hugo Chávez seit 1998 begann die politische und ökonomische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft.

Transparente und andere Äußerungen auf der Demonstration vom Sonntag waren geprägt von dem in den vergangenen Jahren gewachsenen Selbstbewusstsein der Aktivisten des Bolivarischen Prozesses. So war dort zum Beispiel zu lesen: "Heute sind wir ein bewusstes und organisiertes Volk, das einen Weg der einschließenden und partizipativen Politik erobert hat".

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