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Santos-Verbündeter in Massaker verwickelt

Angeklagter Politiker soll in den achtziger Jahren Todesschwadrone gegründet haben. Santos Wahlkampagne wurde von ihm unterstützt
Särge mit Resten der Opfer des Massakers

Beisetzung der Opfer des Massakers von Segovia

Bogotá. Der ehemalige kolumbianische Abgeordnete Carlos Pérez wurde zu Beginn dieser Woche vom Obersten Gerichtshof in Bogotá wegen eines Massakers an 43 Personen, das im Jahr 1988 im Dorf Segovia verübt wurde, vorgeladen. Pérez sei bei der Präsidentschaftskampagne ein Verbündeter von Santos gewesen, informierte die Onlinezeitung La silla vacía.

Laut Dokumenten der kolumbianischen Staatsanwaltschaft stand der angeklagte Politiker hinter der paramilitärischen Gruppe "Tod den Revolutionären von Nordantioquia" (MRN). Ziel dieser Todesschwadrone war es, den Norden des Bundesstaats Antioquia von Anhängern und Politikern der damals frisch gegründeten linken Partei Patriotische Union (UP) zu "säubern". Pérez war der politische Chef der lokalen Liberalen Partei, die traditionell in dem Gebiet regiert hatte. Die Terroraktionen seien eine Reaktion der Liberalen der Region auf die raschen Wahlerfolge der UP gewesen. Das  bezeugte ein damals in Segovia arbeitender Priester bei den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft.

Unter den 43 Opfern von Segovia befanden sich die Bürgermeisterin und ihre Mitarbeiter, die zur UP gehörten. Knochenreste von einem der Opfer wurden von der Staatsanwaltschaft im Jahr 2008 auf der Ranch von Pérez gefunden. Außerdem belasten ihn mehrere Aussagen von Zeugen und inhaftierten Paramilitärs. Seit 2010 wird der Fall untersucht.

Obwohl der Ex-Abgeordnete ebenso wie Mitarbeiter der Wahlkampagne von Santos abstreiten, bei den Präsidentschaftswahlen 2010 zusammen gearbeitet zu haben, fand "La silla vacía" Indizien für eine koordinierte Arbeit. Die Onlinezeitung fand heraus, dass die Kooperative Universität Kolumbiens (UCC), deren Rektor Pérez ist, intensiv zum Vorteil von Santos eingesetzt wurde. Studenten seien bezahlt worden, um Internetforen und Sozialnetzwerke wie Facebook mit propagandistischen Kommentaren zu überschwemmen. Dafür sollte sich jede bezahlte Person zahlreiche falsche Internetidentitäten schaffen. All dies bezeugten befragte Studierende der UCC gegenüber "La silla vacía".

Pérez gestand, die 21 Filialen der Hochschuleinrichtung im ganzen Land für politische Propaganda zugunsten von Santos verwendet zu haben. Dies sei aber eine private Initiative gewesen und deshalb nur als "Werkzeug der Demokratie" zu verstehen.

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