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24.04.2011 Kolumbien / Menschenrechte

Präsident Santos läßt Vertriebene ohne Schutz

Paramilitärs in Gemeinden im Nordwesten Kolumbiens einmarschiert. Agrarindustrie und Bergbau gelten als Drahtzieher
Zeichnung verstümmelter Opfer des Paramilitarismus als Teile eines Palmölbaums

Zeichnung von Opfern des Paramilitarismus aufgrund des Palmölanbaus

Bogotá. Eine Gruppe von 30 Paramilitärs drang vergangene Woche in das kollektive Gebiet der kolumbianischen Gemeinde Curvaradó ein. Dies geschah kurz nachdem sich die Streitkräfte ohne ersichtlichen Grund aus dem Gebiet im nordwestlichen Department Chocó zurückgezogen hatten, berichten Bauern aus dem Bezirk. Demnach bezeichneten sich die Eindringlinge zuerst als Guerilla-Kämpfer, doch bald gaben sie sich als Paramilitärs zu erkennen.

"Wenn uns etwas zustoßen sollte, fällt das unter die Verantwortung der Regierung", sagte ein Mitglied der Gemeinde gegenüber Contagio Radio. Damit ist die Nichterfüllung einer Verfügung des Obersten Gerichts gemeint, welches im Frühjahr 2010 Sonderschutzmaßnahmen für die Gemeinden Curvaradó und Jiguamiandó angeordnet hatte. Dennoch "lässt uns Santos Regierung allein und den Paramilitärs ausgeliefert", so das Gemeindemitglied.

Die bewaffneten Männer seien von denen geschickt worden, die sich die Ländereien der Gemeinde widerrechtlich angeeignet hatten, berichtet die "Kommission für Gerechtigkeit und Frieden". Es handelt sich um Grundstücke, die der kolumbianische Staat im Jahr 2000 den Gemeinden von Curvaradó und Jiguamiandó mit kollektiven Besitzurkunden zugeteilt hatte. Von den jeweils 50.000 Hektar, die die afrokolumbianischen Bauern damals erhalten hatten, wurde die Hälfte von Agrarunternehmern mit Hilfe paramilitärischer Gewalt besetzt und später legalisiert. Auf den gestohlenen Grundstücken wird nun Palmölanbau, Bananenpflanzungen und Viehzucht in großem Maße betrieben.

Die vertriebenen Gemeinden kämpfen seitdem um die Rückgabe ihres kollektiven Grundbesitzes. Beim Besuch des Ministers für Inneres und Justiz, Germán Vargas, und des Landwirtschaftsministers Juan Camilo Restrepo versprachen die Regierungsvertreter vor einem Monat die Rückerstattung der geraubten Ländereien. Trotzdem werden die Köpfe der Gemeinden weiter angegriffen, während die eingedrungenen Agrarfirmen wie UNIBAN und BANACOL von der 17. Brigade der Streitkräfte begleitet und beschützt werden, beklagt die "Kommission für Gerechtigkeit und Frieden". Gegen solche Unternehmen laufen gerade wegen paramilitärischer Verbindungen Untersuchungen durch die Staatsanwaltschaft.

Auch Goldbergbaufirmen wie Sunward Resources Ltd, Goldplata, Muriel Mining Corporation und die britisch-australische Rio Tinto beuteten die Grundbesitze der Gemeinden ohne ihre Genehmigung aus, klagen die Bauern.

Die neu geschickten Paramilitärs hätten die Mitglieder der Gemeinden vor dem "vergeblichen  Versuch" gewarnt, die Öffentlichkeit über ihre Anwesenheit zu alarmieren, informierte die "Kommission für Gerechtigkeit und Frieden". Die "Paras" hätten verkündet: "Es wird gezeigt, wer hier die Macht hat: nämlich wir. Das Militär und die Polizei wissen Bescheid. Die einzigen ökonomischen Projekte, die bestehen werden, sind unsere".

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