Ecuador / Medien

Aktivisten gründen Medienobservatorium in Ecuador

Vertreter sozialer Bewegungen wollen sowohl Medieninhalte als auch das neue Mediengesetz kritisch beobachten. Förderung von Medienkompetenz

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"Die Presse desinformiert": Graffiti aus Quito
"Die Presse desinformiert": Graffiti aus Quito

Quito. Unterschiedliche soziale Bewegungen gründeten in der vergangenen Woche in Ecuador ein Zentrum zur Beobachtung der Medien. Das Observatorio de Medios will die Inhalte der privaten und öffentlichen Massenmedien in dem südamerikanischen Land überprüfen und Vorschläge zum Umgang mit gewalttätigen und sexistischen Medieninhalten machen. Dafür sollen täglich landesweit die verschiedenen Medieninhalte ausgewertet werden. Außerdem stellen sich die Aktivisten die Aufgabe, die Entstehung des neuen Mediengesetzes aktiv zu begleiten.

Die Gründer verwiesen bei einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch in Quito auf ihre Verpflichtung zu staatsbürgerlichem Engagement. "Wir gehören keinerlei politischer Partei an. Die sozialen Organisationen werden uns darin unterstützen, diese bürgerschaftliche Arbeit umzusetzen", erklärte Luis Manosalvas, Sprecher der Bauernkoordination Eloy Alfaro. Neben seiner Organisation gehören Studenten-, Frauenbewegungen und Organisationen ethnischer Minderheiten zu den Initiatoren. Außerdem erhoffen die Aktivisten sich fachliche Unterstützung durch Medien- und Kommunikationswissenschaftler.

Das Observatorio de Medios sieht bei Medien und Journalisten eine Rechenschaftspflicht für verbreitete Inhalte. Man wolle auf transparente Art und Weise gemeinsam Kriterien entwickeln, damit Medien ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. "Wir werden auch eine detaillierte Beobachtung des Mediengesetzes durchführen, das in der Nationalversammlung diskutiert wird. Wir werden nicht erlauben, dass die Inhalte der Verfassung gebrochen werden", so Manosalvas. In den vergangenen Jahren kam es in Ecuador immer wieder zu Konflikten zwischen hauptsächlich privatwirtschaftlich betriebenen Medien und der Regierung.

Der stellvertretende Minister des Sekretariats der Völker Ecuadors, Ricardo Carrillo, erklärte seine Unterstützung für eine Bürgerinitiative. "Wir werden alle, die sie benötigen, durch Ausbildung unterstützen." Carrillo verwies darauf, dass die ecuadorianische Verfassung Instanzen der Bürgerbeobachtung für alle öffentlichen Bereiche vorsieht. Nach einem Referendum über verschiedene Verfassungsänderungen, das die Regierung Correa äußerst knapp für sich entscheiden konnte, wird nun in Ecuador erstmals eine Medienkontrollrat eingerichtet und ein neues Mediengesetz verfasst.

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