Lateinamerika freut sich nicht über Tod von Gaddafi

Brasilien und Chile reagieren verhalten auf die Nachrichten aus Libyen. Kritik aus Kuba und Venezuela am gewaltsamen Tod des langjährigen Staatschefs

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Gaddafi, kurz vor seinem gewaltsamen Tod
Gaddafi, kurz vor seinem gewaltsamen Tod

Caracas/Havanna. Während politische Vertreter westlicher Staaten den gewaltsamen Tod des langjährigen libyschen Staatschefs Muammar Al Gaddafi begrüßten, kamen aus Lateinamerika und der Karibik verhaltene Töne. Nach einer Zusammenstellung des spanischen Dienstes der französischen Nachrichtenagentur AFP lehnte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff Triumphgefühle ab. "Libyen durchlebt derzeit einen Prozess der demokratischen Transformation", wird die Politikerin zitiert: "Das heißt aber nicht, dass wir den Tod eines politischen Oberhauptes feiern, wer er auch sei." Auch die rechtskonservative Regierung Chiles äußerte sich vorsichtig. Es gebe nun "die Chance auf Frieden und Fortschritt", zitiert die AFP den chilenischen Außenminister Alfredo Moreno.

Deutliche Kritik an dem gewaltsamen Tod Gaddafis durch NATO-unterstützte Rebellentruppen kam aus den linksgerichteten Staaten. Das kubanische Staatsfernsehen sprach von der "Ermordung" des arabischen Politikers, während Vertreter der sandinistischen Regierung den Nachrichten aus Libyen zunächst keinen Glauben schenken wollten. Man brauche mehr Zeit, um die Berichte zu überprüfen, hieß es zunächst aus Managua.

Wie zu erwarten, übte Venezuelas Präsident Hugo Chávez scharfe Kritik an der Tötung Gaddafis durch die bewaffnete Opposition. In einer ersten Reaktion erklärte der linksgerichtete Politiker, der ehemalige libysche Staatschef werde nun als "Märtyrer" in Erinnerung bleiben. Er sei "ermordet" worden.

"Ich hatte darüber mit (dem kubanischen Präsidenten) Raúl Castro gesprochen. Ich erinnere mich, dass Raúl mir sagte: 'Sie werden ihn sicher töten'. Nun wurde die Nachricht von Gaddafis Tod bestätigt, sie haben ihn also ermordet. Nun, das ist ein weiterer Anschlag gegen das Leben, wie kann man das sonst nennen?", sagte Chávez auf Nachfragen von Journalisten.

Venezuelas Präsident hatte sich in den vergangenen Monaten wiederholt gegen die Invasion der NATO in Libyen ausgesprochen und auf eine politische Lösung des Konfliktes in dem nordafrikanischen Land gedrängt. Diese Forderung stimmte weitgehend mit der Position der Afrikanischen Union überein.

In einem Interview sprach der venezolanische Schriftsteller Luis Britto den Rebellen in Libyen indes die ihnen zugeschriebene progressive Rolle ab. Eine repräsentative soziale Bewegung dürfe nicht auf die Hilfe der NATO angewiesen sein, sagte der Autor und politische Kommentator. Eine soziale Bewegung bestehe zudem aus neuen politischen Kräften. Im "Nationalen Übergangsrat" Libyens aber fänden sich alte Minister von Gaddafi und Anhänger der Monarchie von König Idris, zudem sei über Verbindungen zum Al-Qaida-Netzwerk berichtet worden. "Wenn es eine soziale Bewegung in Libyen gibt, dann sollte sie gegen die NATO kämpfen", so Brittos Resümee.

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