Costa Ricas Präsidentin mit Protesten empfangen

Umweltschützer demonstrieren in Berlin gegen Strafverfolgung von Seeaktivist Paul Watson. Behörden in San José hatten Haftbefehl erlassen

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Haftbefehl überschattet Staatsbesuch: Seeaktivist Paul Watson
Haftbefehl überschattet Staatsbesuch: Seeaktivist Paul Watson

Berlin/San José, Costa Rica. Bei ihrem Besuch am heutigen Mittwoch in Berlin muss die costaricanische Präsidentin Laura Chinchilla mit Protesten von Umweltschützern rechnen. Wenn die konservative Staatschefin am Mittag im Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, empfangen wird, wollen Anhänger des Umweltschutzaktivisten Paul Watson vor den Toren des Anwesens demonstrieren. Grund ist ein weiter bestehender Haftbefehl des mittelamerikanischen Landes gegen den kanadischen Umweltschützer und Gründer der militanten Umwelt- und Seeschutzorganisation Sea Shepherd.

Der Wal- und Haifanggegner Watson war am 13. Mai am Frankfurter Flughafen auf Basis des Haftbefehls aus Costa Rica festgenommen worden. Die Behörden in Costa Rica werfen ihm einen Eingriff in den Schiffsverkehr vor. Sie begründen die Anwürfe mit einem Vorfall aus dem Jahr 2002 in Gewässern vor Guatemala. Dabei soll Watson, der die kanadische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, die Besatzung eines Schiffes aus Costa Rica bedroht haben. Nun wurde der 61-jährige zwar gegen eine Kaution von 250.000 Euro aus der Haft entlassen, er darf Deutschland aber nicht verlassen.

Nach Angaben des deutschen Wal- und Delfinschutzforums (WDSF), dessen Beraterstab Watson angehört, hatte die internationale Polizeibehörde Interpol auf Antrag Costa Ricas zwar zunächst eine Haftempfehlung ausgesprochen. Nachdem deutlich wurde, dass das Vorgehen des mittelamerikanischen Landes politisch motiviert war, sei Watson jedoch wieder von der "Roten Liste" der Organisation gestrichen worden, berichtet WDSF-Präsident Jürgen Ortmüller.

Auch das Bundesjustizministerium habe nach Angaben einer Sprecherin "auf Arbeitsebene seine Zweifel an dem Haftbefehl an die Frankfurter Justiz kommuniziert", heißt es in einer Erklärung der Umweltschutzorganisation, die sich für Watson einsetzt. Ministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP) mache allerdings nicht von der Möglichkeit Gebrauch, Paul Watson auch von der deutschen Roten Liste zu streichen. Das WDSF vermutet hinter der Passivität politische Gründe: Die deutschen Behörden wollten offenbar das bilaterale Verhältnis zwischen Berlin und San José vor dem Besuch Chinchillas nicht belasten.

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