Widerstand gegen Uranabbau in Nordostbrasilien

Anwohner protestieren gegen geplante Uranmine im Bundesstaat Ceará. Folgen für Gesundheit und Landwirtschaft befürchtet

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"Gegen Uran- und Phosphatabbau"
"Gegen Uran- und Phosphatabbau – für die Landwirtschaft" – Protest gegen Uranmine in Santa Quitéria im nordostbrasilianischen Bundesstaat Cerá

Fortaleza, Brasilien. Im nordostbrasilanischen Bundesstaat Ceará regt sich erster Widerstand gegen den Uranabbau in der Region. Die Anwohnergemeinden einer geplanten Mine bei der Kleinstadt Santa Quitéria protestierten Mitte der Woche gegen die Förderung des radioaktiven Erzes in ihrer Nachbarschaft. Die Demonstranten versammelten sich im Zentrum der 45.000 Einwohner zählenden Kleinstadt und sprachen sich gegen den drohenden Uranabbau in der Mine Itatáia und für den Schutz der kleinbäuerlichen Landwirtschaft aus. Zu der Demonstration hatten die Lokalgruppen der Caritas, der Landlosenbewegung MST, die Landpastorale CPT sowie andere Gruppen aufgerufen. Die Mine ist entgegen den Planungen noch immer nicht in Betrieb genommen worden, da die Bundes- und Landesbehörden sich bislang nicht darauf verständigen konnten, welche Behörde für die Erteilung der ordnungsgemäßen Betriebsgenehmigung zuständig ist.

Im Juli 2008 hatte die brasilianische Regierung den Startschuss für den Uranabbau im Bundesstaat Ceará gegeben. Angesichts damals gleichzeitig explodierender Weltmarktpreise für das radioaktive Erz und Düngemittel erhoffte sich die brasilianische Bundesregierung ein doppeltes Geschäft für Staat und Privatunternehmen. Denn in der gemischten Uran- und Phosphatmine lohnt sich die Ausbeutung doppelt: Das Privatunternehmen Galvani Mineração plant die geschätzten nahezu neun Millionen Tonnen Phosphat bei einem anfänglichen Produktionsvolumen von jährlich 120.000 Tonnen abzubauen, um den boomenden Agrarsektor Brasiliens mit einheimischen Rohstoffen zu bedienen.

Zurzeit importiert Brasilien noch immer rund 75 Prozent seines jährlichen Düngemittelbedarfs aus dem Ausland. Gleichzeitig soll die staatliche Atomfirma Indústrias Nucleares do Brasil (INB) in der Uranmine Itataia bei Santa Quitéria jährlich zunächst 800 Tonnen Uranoxid abbauen. Angestrebt wird die doppelte Produktion. Das gesamte Uranvorkommen der Mine soll sich – so der Präsident der Atomfirma INB, Alfredo Tranjan Filho – auf 142 Tausend Tonnen Uranoxid (U3O8) belaufen. Tranjan Filho versicherte bei der Eröffnungszeremonie im Jahr 2008, dass der Uranabbau reibungslos und ohne Schäden für Mensch und Umwelt verlaufen werde.

Dies sehen die nun protestierenden Anwohner anders. In den vergangenen Monaten hatten die Anwohner mehrmals zu Protesten aufgerufen, um auf die Bedrohung durch den Uranabbau aufmerksam zu machen. In Santa Quitéria entwickelt sich der Widerstand gegen den Uranabbau zunehmend. Dies hat auch mit den Medienberichten vom vergangenen Jahr über die Proteste der Anwohner der einzigen im Betrieb befindlichen Uranmine Lateinamerikas bei Caetité im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia zu tun. Dort hatten im Mai 2011 mehr als 3.000 Anwohner einen aus São Paulo kommenden Atomtransport über mehrere Tage erfolgreich blockiert. Die Anwohner hatten damals die Hauptzufahrtsstraße zu der auch unter dem Namen "Lagoa Real" berüchtigten Uranmine versperrt und so Verhandlungen seitens der staatlichen Atomfirma INB und der Behörden erzwungen. Einer Untersuchung von Greenpeace aus dem Jahr 2008 zufolge, verseucht die Mine Lagoa Real das Trinkwasser von 3.000 Menschen der Region von Caetité um das bis zu Siebenfache des Grenzwertes mit Uran.

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