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05.08.2012 Argentinien / Politik / Wirtschaft

Argentinien beendet nach zehn Jahren Schuldenkrise

Regierung von Präsidentin Fernández de Kirchner begleicht die letzten Schulden – Überbleibsel des Kollaps Ende 2001
Countdown bis zum Ende der Schulden -- Standbild vond er Internetseite des argentinischen Wirtschaftsministeriums

Countdown bis zum Ende der Schulden -- Standbild vond er Internetseite des argentinischen Wirtschaftsministeriums

Quelle: mecon.gov.ar

Buenos Aires. Mit einer Abschlusszahlung von 2,3 Milliarden US-Dollar hat Argentinien zehn Jahre nach dem Staatsbankrott 2001 und 2002 die letzten Schulden beglichen. Mit der Tilgung der Schuldscheine, ausgegeben während des sogenannten Corralito, lässt das Land auch symbolisch die Verschuldung hinter sich. Öffentlichkeitswirksam begleitet wurde die Nachricht mit einem Countdown auf der Webseite des argentinischen Wirtschaftsministeriums.

Bei einer Kundgebung in der Börse von Buenos Aires am Donnerstag kommentierte Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner die Bedeutung der Zahlung mit verhaltener Freude. Der Schuldenausgleich sei "nicht als Verdienst zu werten", sondern eher als die "Erfüllung einer eingegangenen Verpflichtung". Laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE bekräftigte Fernández de Kirchner außerdem, sie wolle den Schuldenabbau zugunsten der "Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Stabilität des Landes in Zeiten globaler Finanzkrisen und unbeständiger Märkte" weiter vorantreiben. Der "Corralito", auf Deutsch etwa "kleiner Stall" gilt als ein Höhepunkt des Finanzdebakels Argentiniens Anfang des Jahrtausends, das mit Zahlungsausfällen von rund 100 Milliarden US-Dollar, dem plötzlichen Zusammenbruch der Wirtschaftsproduktion, hoher Arbeitslosigkeit und teils gewaltsamen Demonstrationen einherging.

Während der Verschuldungskrise hatte der Ex-Wirtschaftsminister Domingo Cavallo Anfang Dezember 2001 den "Corralito" eingeführt und damit zur Verhinderung der massiven Kapitalflucht im argentinischen Bankensystem, die Ersparnisse der Kontoinhaber einfrieren lassen. Abgehoben werden konnten höchstens 250 Peso – damals dem US-Dollar gleichwertig – pro Woche. Als der für fünf Tage ins Amt berufene Präsident Adolfo Rodríguez Saá am Ende des gleichen Monats offiziell den Bankrott des Landes verkünden müsste, blieben den Anlegern zwei Möglichkeiten: die Umschreibung ihrer Ersparnisse in Argentinische Peso zu einem Umrechnungskurs von 1,40 Pesos pro Dollar zu akzeptieren und damit eine deutliche Entwertung in Kauf zu nehmen,  alternativ gab der argentinische Staat die Schuldscheine „Boden 2012“ aus, sogenannte Bonos operativos del estado nacional – operative Anteilscheine des argentinischen Staats. Angesichts der damaligen Haushaltssituation und dem sinkenden Vertrauen in den Staat und das Bankensystem entschieden sich immerhin Anleger von rund 17,1 Milliarden Dollar für die Wertpapiere.

Laut dem Bericht des argentinischen Wirtschaftsministeriums fließen etwa 78 Prozent der jetzigen, achten Rate an internationale Gläubiger, hauptsächlich in Investmentfonds aus USA, Luxemburg, Italien, Frankreich und Dänemark. Mit der Rückzahlung aus dem staatlichen Entschuldungsfonds hat sich die Staatsverschuldung in Devisen von 92 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2002 auf 8,4 Prozent aktuell reduziert. Der Pro-Kopf-Schuldenanteil liegt im Vergleich zu 2002 nun bei weniger als der Hälfte.

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27.04.2012 Nachricht von Benjamin Beutler