Kolumbien / Venezuela

Chávez bietet Kolumbien Vermittlung an

Der Vorstoß setzt Hardliner Uribe unter Druck. Gespräch mit Betroffenen des bewaffneten Konfliktes in Caracas

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Chávez bietet Kolumbien Vermittlung an
Chávez mit seinen kolumbianischen Gästen

Caracas. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat sich bereiterklärt, in Gesprächen mit der kolumbianischen Guerilla auf eine Freilassung aller Geiseln hinzuwirken. Nach einem Treffen mit Angehörigen der Verschleppten sagte der linksgerichtete Staatschef, er wolle alle denkbare Hilfe leisten und sei zu Gesprächen mit dem Führer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), Manuel Marulanda, bereit.

Chávez schlug vor, dass die FARC und die kolumbianische Regierung zu Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch nach Venezuela kommen. Als Geste des guten Willens kündigte er die Freilassung von 27 Kolumbianern an, die in Venezuela wegen der Beteiligung an einem Putschversuch gegen seine Regierung im Jahr 2004 inhaftiert sind. Er hoffe, dass dies einen Prozess zur Aufnahme eines Dialogs auslösen werde, sagte Chávez. Die Initiative, die auf Bitte der Angehörigen zustande kam, straft Darstellungen Lügen, der venezolanische Staatschef unterstütze die linke Guerilla im Nachbarland. Am 31. August will er nach Kolumbien reisen, um mit seinem Amtskollegen Álvaro Uribe Vélez zu sprechen.

Zu den Teilnehmern der Zusammenkunft am Montag im Präsidentenpalast Miraflores gehörten auch die Politikerin der Liberalen Partei Kolumbiens Piedad Córdoba und die Mutter der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die sich seit drei Jahren in FARC-Gefangenschaft befindet. Die FARC, die seit mehr als 40 Jahren für den Sturz der Regierung in Bogota kämpft, hat mehrere hundert Geiseln in ihrer Gewalt.

Der Vorstoß von Chávez setzt den kolumbianischen Präsidenten Uribe unter Druck. Weil sich der ultrarechte Politiker seit Jahren vehement weigert, auf die Forderungen der Guerilla einzugehen, ist ein Gefangenenaustausch bislang nicht zustande gekommen. Es dürfte dem Hardliner in Bogotá nicht gefallen, daß nun ausgerechnet Chávez die Initiative an sich zieht. Grund dafür hat er: Der Jahrzehnte währende bewaffnete und soziale Konflikt in Kolumbien bedroht zunehmend die Sicherheit der Anrainerstaaten, darunter Venezuela.


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