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08.10.2007 International

Investition aus Russland, Klagen aus USA

Wandel in der venezolanischen Ölindustrie: Lukoil kündigt Ausbau an, US-Konzern Exxon will gerichtlich gegen Caracas vorgehen
Investition aus Russland, Klagen aus USA

Drängt auf den Markt, den die USA räumen: Luikoil-Chef Wagit Alekperow (Foto: russland.ru)

Moskau/Caracas/Irving. Das russische Ölunternehmen Lukoil will im Oktober in Venezuela über die Umsetzung seiner Projekte verhandeln. zugleich setzt sich der Konflikt zwischen dem venezolanischen Staat und US-Konzernen fort, die gegen den Rückgang der Privatisierungspolitik in dem südamerikanischen Land klagen wollen.

"Eine große Delegation von Lukoil mit dem Vizepräsidenten Andrej Kusjajew an der Spitze wird im Oktober nach Venezuela fliegen", sagte Lukoil-Chef Wagit Alekperow in der vergangenen Woche vor Journalisten.

Lukoil hat in Venezuela etliche Projekte, wobei zusätzliche Erkundungen auf der Vorkommensstätte Junin-3 im Orinoco-Becken abgeschlossen worden sind. Das Unternehmen verhandelt über die Gründung eines Joint Ventures mit der venezolanischen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela (PdVSA), das alte Bohrsonden wieder in Betrieb nehmen soll.

Alekperow sagte Ende August, dass Lukoil den Vertrag über das venezolanische Projekt bereits im laufenden Jahr unterzeichnen könne. Er betonte, dass die neuen Vertragsbedingungen die neuen Gesetze in Venezuela berücksichtigen würden.

Der US-Konzern Exxon Mobil hatte kurz zuvor angekündigt, die Regierung von Venezuela vor einem Schiedsgericht der Weltbank zu verklagen. Die Verhandlungen über Entschädigungszahlungen für die aufgegebenen Förderaktivitäten hätten kein befriedigendes Ergebnis erbracht, hieß es aus der Konzernzentrale in Irving im US-Bundesstaat Texas.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte im vergangenen Jahr verfügt, dass die im LAnd präsenten internationalen Ölkonzerne 60 Prozent ihrer Aktivitäten an die staatliche PdVSA abtreten müssen. Zugleich wurde festgelegt, dass für die Entschädigung der Unternehmen die Buchwerte der Anlagen und nicht die Marktwerte zugrunde gelegt werden würden. Exxon Mobil und Conoco Phillips hatten aus Protest gegen diese Maßnahme ihre Präsenz in dem südamerikanischen Land daraufhin komplett aufgegeben.

Unabhängig vom Streit zwischen dem venezolanischen Staat und den US-Konzernen zeigen beide Meldungen den Wandel in der Zusammenarbeit: Während die Kooperation mit westlichen Unternehmen abgebaut wird, erschließt Venezuela neue Märkte in anderen Teilen der Welt. Neben Russland zählt hier vor allem Iran. Mit der gleichen Idee treibt die Regeirung in Caracas die politische und wirtschaftliche Integration in der Region voran. Gelingt die Umstrukturierung, würde in Venezuela bewiesen, dass eine alternative Wirtschaftspolitik zu dem neoliberal dominierten Handel mit westlichen Staaten nicht nur theoretisch möglich ist, sondern auch in der Praxis.


Die Meldung von RIA Novosti über die Delegationsreise findet sich hier

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