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21.09.2007 Brasilien / Venezuela

Lula da Silva geht auf Chávez zu

Treffen im brasilianischen Manaus. Gemeinsame Projekte im Energiebereich angekündigt. Politische Krise in der Region beigelegt?
Lula da Silva geht auf Chávez zu

Lula und Chávez wieder näher beieinander

Manaus. Zum ersten Mal seit fast einem Jahr haben sich die Präsidenten von Venezuela und Brasilien getroffen, um die Zusammenarbeit beider Staaten zu erörtern. Das rund sechsstündige Treffen in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, endete am Donnerstag abend (Ortszeit) mit einer Überraschung. Beide Staatschefs kündigten an, den Bau einer »Gaspipeline des Südens« voranzutreiben. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen Venezuela, Brasilien, Argentinien und Bolivien war Anfang 2006 begonnen worden. Seither aber hatten politische Probleme die Fortführung behindert. Die Erklärung von Donnerstag zeigt, daß diese Probleme überwunden sind. In Manaus vereinbarten beide Staatschefs zudem, sich künftig alle drei Monate zu treffen.

Neben dem Bau der Gaspipeline von Venezuela bis nach Argentinien vereinbarten Luiz Inácio »Lula« da Sila und Hugo Chávez die Errichtung von zwei Joint-Ventures zwischen den staatlichen Ölkonzernen beider Länder. Dabei wird zum einen die gemeinsame Förderung von Erdöl im venezolanischen Orinoco-Becken in Angriff genommen, zum anderen soll in der brasilianischen Stadt Pernambuco eine Raffinerie gebaut werden. In Venezuela wird der dortige staatliche Energiekonzern PdVSA die Mehrheit halten, in Brasilien entfallen auf das Partnerunternehmen Petrobras 60 Prozent der Anteile.

»Mit dieser Partnerschaft zeigen wir, daß Südamerika seine Energieprobleme lösen kann«, sagte Präsident da Silva nach der Zusammenkunft mit Chávez. Er kündigte zudem an, die Verträge für die Kooperationsprojekte »im Dezember in Caracas« zu unterzeichnen. Die »Gaspipeline des Südens« soll rund 10000 Kilometer lang sei. Die Kosten des Baus werden auf umgerechnet 14 Milliarden Euro geschätzt.

Der brasilianische Präsident gab damit auch ein starkes Signal im eigenen Land. In den vergangenen Monaten hatten rechte Abgeordnete im Nationalparlament versucht, die Kooperation mit Venezuela zu torpedieren. Auslöser der Krise war eine Erklärung, mir der die Parlamentarier eine vermeintliche Einschränkung der Meinungsfreiheit in Venezuela kritisierten. Als Chávez daran seinerseits Kritik übte, nahmen die Autoren dies zum Anlaß, vom Präsidenten die Rücknahme der Beziehungen mit Caracas zu fordern. Das brasilianische Parlament blockiert nach wie vor die Aufnahme Venezuelas in das regionale Handelsbündnis Mercosur.


Die Orginalmeldung befindet sich hier.

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