Venezuela / Soziales

Chávez kündigt neuen Lehrplan an

Bildungsreform wird ausgeweitet. Neue Schulen eröffnet. Aufsicht über Privatschulen nach deutschem Vorbild geplant

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Chávez kündigt neuen Lehrplan an
Das neue Schuljahr hat begonnen

Caracas. Venezuelas Präsident Hugo Chávez will das Bildungswesen in dem südamerikanischen Land von "kapitalistischen Werten" befreien und Privatschulen künftig stärker kontrollieren. Chávez erklärte am Montag (Ortszeit), bis 2010 solle in allen Bildungsstätten des Landes das bolivarische Bildungssystem gelten, das sich an das Denken des lateinamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar anlehnt. Es gelte, den Kapitalismus und den "eurozentrischen Kolonialismus" der alten Schulordnung zu überwinden.

Der Präsident stellte die bildungspolitischen Ziele der Regierung bei einer Schuleinweihung zu Beginn des neuen Schuljahres in der Stadt El Tigre, 360 Kilometer südöstlich von Caracas, vor. Er kündigte an, dass im nächsten Jahr ein neuer bolivarischer Lehrplan eingeführt werden solle, der derzeit im Bildungsministerium ausgearbeitet werde.

Dieser stelle nicht mehr wie davor die Eroberer "von Kolumbus bis zu Superman" in den Vordergrund, sondern die Geschichte eines Landes, das von indigenen und afroamerikanischen Einflüssen sowie der Vermischung verschiedener Kulturen geprägt sei. Des Weiteren gehe es darum, den Menschen in den Mittelpunkt der Ausbildung zu stellen. Die Grundpfeiler des neuen Lehrplan-Entwurfs seien die Förderung von Kreativität, sozialer Kompetenz, Beteiligung und kritischer Reflexion.

Privaten Sektor einbeziehen

Private Bildungseinrichtungen würden von der Verfassung anerkannt, trotzdem müssten sie die Gesetze respektieren und sich an das bolivarische Bildungssystem halten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass der private Sektor macht was er will und keine Besuche durch staatliche Inspektoren zulässt," so Chávez.

Er verglich das geplante venezolanische Bildungssystem mit dem Deutschen, wo nur Privatisierung in Teilbereichen bestehe, aber unter strikter staatlicher Aufsicht. Er betonte, dass die Bildung keine Ware, sondern ein Grundrecht sei, das der Staat garantieren müsse. Wenn sich Privatschulen nicht an die staatlichen Vorgaben halten sollten, würden sie notfalls verstaatlicht, kündigte Chávez an.

Bildungsoffensive

Zu Beginn des neuen Schuljahres, das am Montag begann, wurden 15 neue bolivarische Schulen eröffnet, bis Ende des Jahres sollen insgesamt über 80 entstehen. Nach Angaben der venezolanischen Regierung erhalten derzeit bereits neun Millionen Kinder und Jugendliche in Venezuela eine bolivarisch geprägte Erziehung. Die Bildungsausgaben des Staates betragen nach Angaben des Bildungsministeriums 7,4% des Staatshaushalts, während sie vor Chávez’ Wahl 1998 nur 3,6% ausmachten und nicht einmal genug Geld zur Bezahlung der Lehrer im öffentlichen Bildungssektor zur Verfügung gestanden habe.


Quellen: Junge Welt, Agencia Bolivariana de Noticias, El Universal, Globovisión

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