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18.08.2008 Bolivien / Iran / Politik

Iran engagiert sich in Bolivien

Teheran baut seine Präsenz in der Region aus

Teheran, La PAZ. Die Islamische Republik Iran wird in Bolivien ein Krankenhaus und sechs Milchfabriken bauen. Das kündigte am Sonntag (17.8.2008) der iranische Geschäftsträger in La Paz, Hoyyatollah Soltani, in einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Agencia Boliviana an.

Irans Engagement im ärmsten Staat Südamerikas geht auf ein bilaterales Kooperationsabkommen zurück, das beide Länder 2007 abschlossen. Bei seinem damaligen Besuch in La Paz erklärte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, seine Regierung wolle die Entwicklung der Andenrepublik bis 2012 mit einer Milliarde US-Dollar unterstützen. Davon werden jetzt drei Millionen US-Dollar in den Bau des Krankenhauses investiert. Außerdem liefert der Iran 650 Traktoren und weitere 200 landwirtschaftliche Maschinen. Der iranische Geschäftsträger fügte hinzu, dass zukünftig elf Stipendiaten aus Bolivien in Teheran Petrochemie studieren können.

Vor wenigen Tagen haben Venezuela und Iran beschlossen, dem befreundeten Bolivien einen Kredit von 230 Millionen US-Dollar zu gewähren. Damit will der bolivianische Präsident Evo Morales eine staatliche Zementfabrik, die Cementos Bolivia, errichten. Irans Vertreter in La Paz verwies darauf, dass sein Land, jährlich 50 Millionen Tonnen Zement produziere und dass Bolivien diese Quote auch erreichen könne. Darüber hinaus bestehen Abkommen zwischen den beiden Staaten über die Zusammenarbeit in der Erdöl- und Gasbranche, in der Landwirtschaft und im Bergbau.

Seit einiger Zeit forciert der Iran auch die Kooperation mit Nicaragua und Venezuela. In der Bolivarianischen Republik von Präsident Hugo Chávez entstehen neben einer Zementfabrik auch Fertighäuser aus Beton, die im Rahmen der "Misión Vivienda" (Sozialprogramm Wohnung) die hölzernen Bruchbuden in den Armenvierteln ersetzen. Außerdem arbeiten Caracas und Teheran beim Aufbau einer venezolanischen Automobilindustrie zusammen. Mit Anspielung auf die Diskussion über Teherans Atomprogramm taufte Chávez das erste Fahrrad aus gemeinsamer Produktion als das "Nuklear-Rad". Die wirtschaftlich- industrielle Kooperation zwischen dem Iran und Venezuela erklärt sich auch durch die bedrohliche Haltung, die die USA gegenüber den beiden Staaten einnehmen. In diesem Kontext ist ebenfalls Teherans Annäherung an Managua und La Paz zu verstehen.

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05.09.2007 Nachricht von Ingo Niebel