Kolumbien

Neue Verhandlungen mit der FARC?

Die Senatorin Piedad Córdoba arbeitet an einer neuen Strategie für eine friedliche Lösung des kolumbianischen Bürgerkriegs

Buenos Aires. In diesen Tagen reist die kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba durch Lateinamerika, wo sie Unterstützung für den Friedensprozeß in ihrer Heimat sucht. Sechs Wochen nach der spektakulären Befreiung der entführten Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt hat die internationale Öffentlichkeit das Interesse an den verbleibenden Gefangenen in den Händen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verloren. Über ihre Pläne sprach Córdoba mit der linken argentinischen Zeitung Página 12.

"Viele, die vorher geholfen haben, weil sie eigene Interessen hatten, wie die USA und Frankreich, geben jetzt keine Lebenszeichen mehr von sich", beschreibt Córdoba die aktuelle Situation. Am Freitag (22.8.2008) traf sie mit der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández zusammen. "Ich möchte ihr für ihre Hilfe danken und sie auch darum bitten, dass sie weiterhin die unterstützt, die wir eine Lösung für den politischen Konflikt suchen", sagte die Senatorin. Die Lage hierfür scheint nicht ganz aussichtslos zu sein, da die FARC angekündigt hat, dass sie weiterhin an einem Gefangenenaustausch interessiert sei. Es ist aber zweifelhaft, ob Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe daran überhaupt interessiert ist. Seit der Befreiung von Betancourt ist er von seinem harten Kurs überzeugt. Uribe hat die Staatsanwaltschaft aufgefordert, gegen Córdoba wegen mutmaßlicher Kontakte zur FARC zu ermitteln.

Dabei war er es gewesen, der der Senatorin und Venezuelas Präsident Hugo Chávez im August 2007 den offiziellen Auftrag gab, die linke Guerilla zu kontaktieren. Die FARC war bereit, 50 ihrer Gefangenen gegen 500 Genossen, die in kolumbianischen und US-amerikanischen Gefängnissen einsitzen, auszutauschen. Als die Bemühungen des Duos erste Erfolge brachten, entzog Uribe ihnen das Mandat. Córdoba und Chávez machten trotzdem weiter und erreichten, dass die FARC sieben Gefangene ohne Gegenleistung freiliessen. Uribe ordnete daraufhin Militäraktionen gegen die Guerilla an. Am 1. März 2008 starb der zweite Kommandeur der FARC, Raúl Reyes, bei einem Luftangriff. Damit war der Kontakt zwischen der Guerilla und dem Unterhändler-Duo unterbrochen. Anschließend gelang es dem kolumbianischen Geheimdienst mit israelischer Hilfe die FARC zu unterwandern und die erfolgreiche Gefangenenbefreiung durchzuführen. Zu einer Lösung des seit Jahrzehnten währenden kolumbianischen Bürgerkriegs hat das aber nicht geführt.

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