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15.02.2008 Kolumbien / Venezuela

Ohne Chávez läuft nichts

Kolumbianische Guerrilla FARC lehnt Spanien und Kirche als Vermittler ab

Madrid. Die Guerrilla-Organisation der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hat am Donnerstag (14.2.2008), Spanien und die Katholische Kirche Kolumbiens als Vermittler beim Gefangenenaustausch mit der kolumbianischen Regierung abgelehnt.

Das Nein aus dem Dschungel erreichte den spanischen Sozialdemokraten José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) und die Kirche über ein Interview, das der FARC-Kommandant Raúl Reyes der kubanischen Nachrichtenagentur "Prensa Latina" per Internet gab. Darin heißt es, die Madrider Regierung und die Katholische Kirche Kolumbiens hätten sich selbst als mögliche Vermittler bei den Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch ausgeschlossen, weil sie sich auf die Seite des kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe gestellt hätten.

Seit August 2007 laufen Versuche, um einen Austausch von Gefangenen zwischen der FARC und der Regierung in Bogotá in die Wege zu leiten. Die Guerrilla-Organisation will die Freilassung von 500 ihrer Mitglieder erreichen. Dafür ist sie bereit, 44 hochrangigen Gefangenen die Freiheit wiederzugeben. Darunter befindet sich auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt.

Am 10. Januar 2008 übergab die FARC zwei ihrer Gefangenen dem Roten Kreuz. Als Vermittler fungierten der venezolanische Präsident Hugo Chávez und die kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba, obwohl ihnen Uribe im November 2007 das Mandat entzogen hatte. Zwei weitere Kolumbianer könnten schon längst frei sein, sagte Córdoba kürzlich, wenn die Übergabe nicht andauernd durch Aktionen der kolumbianischen Armee gestört würden.

In Bogotá verfolgt man aber andere Ziele: Bei seinem Spanien-Besuch im Januar bat Uribe seinen Amtskollegen Zapatero, dieser möge die Vermittlung übernehmen. Der Spanier, der sich gerade im Wahlkampf befindet, nutzte das Angebot, um die FARC aufzufordern, sie solle sofort eine internationale Ärztekommission zu den 700-1000 Kriegsgefangenen lassen. Die Guerrilla lehnte das ab.

Parallel zu den spanischen Avancen hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei seinem Staatsbesuch in Brasilien gerade versucht, über seinen Amtskollegen Inazio "Lula" da Silva eine Brücke zur FARC zu schlagen. Ihm liegt viel an der Freilassung von Ingrid Betancourt, da diese auch französische Staatsbürgerin ist und die französische Öffentlichkeit ihr Schicksal interessiert verfolgt.

Die FARC hat aber über Raúl Reyes verlauten lassen, dass es eine Bedingung für den Austausch und für spätere Friedensverhandlungen gibt: ihre Anerkennung als kriegsführende Partei und somit die Streichung als "terroristische Organisation". Diesen Vorschlag hatte bereits Chávez im Dezember unterbreitet und dafür harsche Kritik von Kolumbiens ausländischen Verbündeten geerntet.

Für die erneute Abfuhr, die sich Zapatero im kolumbianischen Gefangenendrama eingehandelt hat, machte die ihm nahestehende spanische Tageszeitung El País sofort den venezolanischen Präsidenten verantwortlich. Ohne Beweise vorzulegen, spekulierte ihre Korrespondentin Pilar Lozano in Bogotá: "Die 'Abstrafung' Madrids kann ein Zugeständnis an den Venezolaner Hugo Chávez sein." Die Journalistin läßt zwei "Sicherheitsexperten" zu Wort kommen, die vermuten, die schlechten spanisch-venezolanischen Beziehungen könnten Chávez motiviert haben, Madrid abstrafen zu lassen. Während dessen setzen die Angehörigen der von der FARC festgehaltenen Menschen alle ihre Hoffnungen in Chávez und Córdoba.

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