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08.10.2008 International

Märchenstunde mit König

Die Interamerikanische Journalistengesellschaft (SIP) hält ihren 64. Kongress in Spanien ab

Madrid. Spaniens Monarch Juan Carlos I. tritt wie einst seine königlichen Vorfahren als Schutzpatron auf. Diesmal hält er seine schützende Hand über den 64. Kongress der Sociedad Interamericana de Prensa (SIP), die erstmalig in ihrer fünfzigjährigen Geschichte in Europa tagt. Auch der spanische Premier José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) sprach vor den Teilnehmern und gab der SIP so einen demokratischen Touch, der ihr so nicht zusteht.

Die Organisation repräsentiert die Eigentümer von Medien des gesamten amerikanischen Kontinents. In ihrer politischen Ausrichtung folgt die SIP den Richtlinien aus Washington. So wundert es nicht, dass der neue SIP-Vorsitzende, Enrique Santos, den Kongress mit einer harschen Attacke gegen Venezuelas Präsident eröffnete. "Die Haltung von Hugo Chávez gegenüber den Medien ist wegen seiner Drohgebärden sehr besorgniserregend und wegen der Form, wie die unabhängigen Medien in Venezuela verfolgt werden", stellte der Kolumbianer fest. Die SIP will in Chávez' zehnjähriger Amtszeit über 200000 Übergriffe auf Journalisten gezählt haben.

Enrique Santos, Chef des Verlags und der Zeitung "El Tiempo", entstammt einer einflussreichen Familie in Bogotá: Sein Vetter, Juan Manuel Santos, ist gerade Verteidigungsminister und sein anderer Cousin, Francisco Santos, Vizepräsident. Neben der Vormachtstellung in der Politik dominieren die Santos auch Kolumbiens Medienlandschaft. Darüber hinaus sind sie geschäftlich mit der spanischen Mediengruppe Planeta verbunden. Deren Aufstieg ist eng mit dem faschistischen Diktator Francisco Franco verbunden. Während der Regierungszeit des postfranquistischen Premiers José María Aznar (PP, Volkspartei) kaufte Planeta mehrere spanische Radiosender und den TV-Kanal Antena 3 auf.

Im SIP-Vorstand ist Enrique Santos neben dem chilenischen Schatzmeister Julio E. Muñoz der einzige Lateinamerikaner. Dort dominieren die US-Amerikaner, die diese Gruppe von Medienunternehmer gerne für ihre Propaganda gegen Kuba, Venezuela und andere progressive Staaten in der Region einsetzen.

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01.10.2008 Nachricht von Redaktion