Honduras

Empfang für Demokraten

Honduranisches Tagebuch (VII): Minister Zelayas und Widerstandsbewegung kommen in Residenz des Geschäftsträgers der deutschen Botschaft zusammen

Tegucigalpa. Um 19 Uhr war die Dachterrasse des Gebäudes "Los Jarros" am Boulevard Morazán von Tegucigalpa mit Gästen gut gefüllt. Auf Einladung des Geschäftsträgers der deutschen Botschaft, Michael Zinn, waren Vertreter der EU und anderer europäischer Botschaften in seine Residenz gekommen. Die Vizevorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Monika Knoche, hatte Kabinettsmitglieder der gewählten Regierung von Präsident Manuel Zelaya und Vertreter der Widerstandsbewegung eingeladen.

Es war eines der bislang größten Treffen der demokratischen Kräfte seit dem Militärputsch am 28. Juni. Und es war der Höhepunkt der rund einwöchigen Reise der Politikerin, die in Begleitung des Mitarbeiters der Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel (Die Linke) nach Honduras gekommen war, um die demokratischen Kräfte zu unterstützen.

"Weil die deutsche Bundesregierung und auch die EU den Putsch verurteilen, halte ich es nur für folgerichtig, wenn die Aktivisten für Demokratie auf einen Empfang der deutschen Botschaft eingeladen werden", sagte Knoche unter dem Beifall der Gäste. Geschäftsträger Zinn verwies auf die Notwendigkeit eine friedlichen Lösung der schweren innenpolitischen Krise des Landes.

"Für uns war dieser Empfang sehr wichtig", sagte der Gewerkschaftsführer Juan Barahona, der ebenso wie Rafael Alegria von der internationalen Landarbeiterorganisation Via Campesina zu den Gästen zählte. Große Bedeutung wurde auch dem Besuch aus dem deutschen Bundestag beigemessen. "Ihr Präsenz hier vor Ort stellt für uns einen Schutz dar", sagte Barahona.

Bei dem Empfang trafen Welten aufeinander. Es gab nicht nur einen Austausch zwischen den sozialen Bewegungen und Mitgliedern des Kabinetts Zelaya. Auch kamen einige Mitglieder des diplomatischen Personals erstmals mit Vertretern der Demokratiebewegung in Kontakt. Der eine oder andere EU-Vertreter mag dabei eine neue Sicht auf die Dinge bekommen haben. Der Geschäftsträger der niederländischen Botschaft jedenfalls debattierte über eine Stunde mit Vertretern der "Nationalen Widerstandsfront gegen den Staatsstreich in Honduras".


Harald Neuber ist unter anderem mit dem Mandat von Attac Deutschland in Honduras, um die Lage vor Ort zu beobachten.

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