Honduras

Honduras macht Ernst

Präsident Manuel Zelaya setzt Militärführung ab. Panzer in den Straßen von Tegucigalpa

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Honduras macht Ernst
Tausende Unterstützer demonstrieren vor dem Präsidentenpalast

Tegucigalpa. Während in Venezuela das Gipfeltreffen der Alba-Staaten stattfindet, an dem auch Honduras Präsident Manuel Zelaya teilnehmen sollte, scheiterte möglicherweise in der Nacht auf Donnerstag in dem mittelamerikanischen Land ein Militärputsch. Wie Nachrichtenagenturen berichteten, setzte Manuel Zelaya in einer Eilentscheidung Verteidigungsminister Edmundo Orellana Mercado und Armeechef Vásquez Velásquez ab. Daraufhin reichten auch die Chefs des Heeres, der Marine und der Luftwaffe ihren Rücktritt ein. Am Morgen fuhren Panzer und Militärfahrzeuge durch die Hauptstadt Tegucigalpa.

Zur Zeit demonstrieren mehrere tausend Personen aus den sozialen Bewegungen und der Linken vor dem Präsidentenpalast ihr Unterstützung für den Präsidenten. Gegenüber TeleSur erklärte Rafael Alegría als Vertreter der Bauernbewegung in Honduras die Unterstützung für den Präsidenten. "Teile der Oligarchie versuchen Druck auf den Präsidenten auszuüben. Wir sind hier, zu zeigen, dass die Bevölkerung hinter der Entscheidung des Präsidenten steht und dass er einen außerordentlichen Rückhalt hat."

Am Morgen richtete sich Manuel Zelaya in einer Ansprache an die Nation und sprach von einigen Sektoren, die Destabilisierung und Chaos verbreiten wollten, um die verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen. "Wir, die wir Honduras lieben, können nicht erlauben, dass diese Demokratie weiter das Eigentum einiger weniger ist. Wir sollten unermüdlich für eine bessere Demokratie kämpfen, die wir vorgeschlagen haben."

Nach Berichten lokaler Medien haben inzwischen Soldaten des 1. Bataillons der Infanterie in der Gegend um den Präsidentenpalast und am Flughafen Toncontín Stellung bezogen. Das Bataillon ist normalerweise in der Nähe der Hauptstadt stationiert. Die französische Nachrichtenagentur AFP verbreitet, der Auftrag der Soldaten sei, Aufstände der sozialen Bewegungen und der indigenen Organisationen zur Unterstützung des Präsidenten zu verhindern.

Honduras war im Oktober 2008 als sechstes Mitglied der alternativen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten, die sich explizit gegen den Einfluss der USA in Lateinamerika richtet. Diese Entscheidung hatte der Präsident gegen die Stimmung in seiner eigenen Partei und gegen das gesamte konservative Lager in Honduras getroffen. Bei dem 6. außerordentlichen Alba-Treffen in Carabobo/Venezuela ließ Zelaya sich von der Außenministerin Patricia Rodas vertreten. Sie unterstützte die Abschlusserklärung des alternativen Regionalbündnisses und verwies auf die am Sonntag bevorstehende Volksabstimmung in Honduras.

Dann entscheidet sich, ob eine verfassungsgebende Versammlung einberufen wird, um ähnlich wie schon in Bolivien, Ecuador und Venezuela über eine Neugründung des Landes abzustimmen. In seiner Ansprache betonte Zelaya heute, dass dem Land grundlegende Veränderungen bevorstehen. Es sei nicht akzeptabel, dass sieben von zehn Hondureños in Armut lebten. Im November werden in Honduras außerdem Präsidentschaftswahlen stattfinden.

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