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27.11.2009 Kuba

Sagt Yoaní Sánchez die Wahrheit?

Kubanische Ärzte widersprechen der Bloggerin

Havanna, Madrid. Yoaní Sánchez ist zurzeit Kubas bekannteste Bloggerin, weil sie antikubanische Kräfte in den USA und Europa zur aktuellen Top-Dissidentin gemacht haben. Zuletzt hat US-Präsident Barack Obama mit ihr über deren Blog Generación Y kommuniziert. Mit zum Image der Widerständlerin beigetragen haben auch deutsche Medien, die ausführlich über vermeintliche Attacken auf die Bloggerin, ihren Mann und andere "Regimegegner" berichteten.

Anfang November schrieb Sánchez, Sicherheitskräfte hätten sie entführt sowie "körperlich und verbal" mißhandelt. Die spanische Tageszeitung El País machte die Anschuldigungen am 7. November in Europa publik, andere Medien folgten. In ihrem Blog beschreibt Sánchez detailliert ihren vermeintlichen Kampf mit den Sicherheitsbeamten, die Schläge gegen die Nieren und die Blutergüsse . Der Version der Bloggerin widersprechen jetzt drei kubanische Ärzte. In einem siebenminütigen Videointerview für die spanische Internetseite La República.es erzählen sie, wie ihre Mitbürgerin mit einer Krücke und im Beisein von Familienangehörigen ins Krankenhaus gehumpelt kam. Zwar klagte die Patientin über "Schmerzen", aber bei der Untersuchung wurden dann keine der von Sánchez beschriebenen Verletzungen festgestellt.

Die Politik und Medien in den USA und in Europa haben Sánchez berühmt gemacht, weil sie sich kritisch über die Verhältnisse in ihrer Heimat äußert. Als Plattform für ihre Bekenntnisse benutzt sie ihren Blog desdecuba.com/generación Y. Wer Details über die Eigentumsverhältnisse der Domain wissen will, findet folgendes: Die Webadresse ist auf Sánchez' Namen registriert, die aber als Kontakt eine Anschrift und Telefonnummer in 28004 Madrid angibt: Santa María Soledad Torres Acosta 2. Die dazugehörende Internetadresse 81.169.145.90 führt aber zu einem Rechner in Berlin, der dem deutschen Provider Strato gehört. Professionelle Übersetzer übertragen Sánchez' Texte ins Deutsche. Diese finden sich dann wahlweise auf den Seiten der US-freundlichen und kubafeindlichen deutschen Tageszeitung Die Welt oder bei der gleichgesinnten Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wieder. Letztere gilt als "eine rechte Grauzonenorganisation", die Verbindungen ins rechtsradikale Lager und zur CIA gepflegt hat.

In Sachen Sánchez erinnert La República auf den Fall des "gelähmten" Armando Valladares Pérez. Der im Ausland lebende kubanische CIA-Agent und Schriftsteller Carlos Alberto Montaner machte den "Dissidenten", dem das "Regime" angeblich sogar einen Rollstuhl verweigerte, international bekannt. Die Propaganda-Aktion zeigte Wirkung: Für die Freilassung des angeblich schwerkranken Studentenführers setzte sich in den 80erJahren sogar Frankreichs Präsident François Mitterand bei Fidel Castro ein. Aber am Tag seiner Ausreise musste sich Valladares nicht im Rollstuhl zum Flugzeug bewegen, sondern er verließ Kuba leichten Schrittes: Seine Lähmung hatte er nur vorgetäuscht, wie verdeckte Filmaufnahmen belegten.

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