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Kohle machen mit Kuba-Kritik

Die deutsche Seite des regierungskritischen Blogs "Generación Y" wirbt für Werbeanzeigen. Unklare Grenzen zwischen Aktivismus und Kommerz

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Auszug aus der Werbemail
Klare finanzielle Vorstellung: Auszug aus der Werbemail des deutschen Blogs von Sánchez

Bei seiner Visite in Chile bekräftigte US-Präsident Barack Obama zu Beginn dieser Woche erneut die Unterstützung politischer Gruppen in Kuba, die sich für Systemreformen einsetzen. Besonders die Zusammenarbeit im Medienbereich sei für die US-Regierung wichtig. Fast zeitgleich strahlte das staatliche kubanische Fernsehen eine Dokumentation aus, in der ein "Cyberkrieg" der USA gegen Kuba beklagt wird. Teil dieser Kampagne seien auch von den USA finanzierte Blogs, deren Aktivisten sich mit traditionellen Kräften des Exils zusammengetan hätten.

Die These der Fremdfinanzierung, also der ökonomischen Motivation der Systemoppositionellen in Kuba, ist einer der schwersten Vorwürfe gegen die antikubanische Szene. Sie wurden stets zurückgewiesen.

Informationen, die amerika21.de vorliegen, belegen diese These aber nun, pikanterweise gerade in Deutschland. Demnach funktioniert der Weblog der international bekannten Regierungskritikerin Yoani Sánchez zunehmend kommerziell.

In einer Rundmail bewirbt Sánchez´ deutsche Übersetzerin Iris Wissmüller "die deutsche Seite des weltbekannten Blogs", der unter dem Titel "Generación Y" erscheint. "Wie telefonisch besprochen schicke ich Ihnen das Angebot, auf unserer Website punktgenaue Werbung (...) zu schalten", heißt es in einer dieser E-Mails, in der die Zugriffszahlen aufgeführt werden. Demnach berechnet Wissmüller für Internet-Anzeigen bis zu 195 Euro "pro Monat, zzgl. Mehrwertsteuer".

"Unsere Leser sind speziell an Kuba und an spanisch interessiert und bilden daher die ideale Zielgruppe für Ihre Werbung", heißt es weiter: "Ich hoffe, unser Angebot sagt Ihnen zu."

So verschwimmen im Fall der deutschsprachigen Seite von "Generación Y" die Grenzen zwischen Aktivismus und Kommerz. Die staatlich aus der EU und den USA massiv geförderten regierungsfeindlichen Blogs schienen sich auch im deutschsprachigen Raum zu einem lukrativen Geschäftsfeld zu entwickeln.

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