Honduras / Deutschland

Vizepräsident von Honduras zu Gast in Berlin

Arístides Mejía auf Einladung der Linkspartei in Deutschland. Diplomat erstaunt über lückenhafte Informationslage im Auswärtigen Amt

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Vizepräsident von Honduras zu Gast in Berlin
Im Gespräch: Arístides Mejía, Harri Grünberg (Linkspartei) und Botschafter Martínez (v.l.n.r.)

Berlin. Der Vizepräsident der gewählten Regierung von Honduras, Arístides Mejía, ist Mitte der Woche in Berlin mit hochrangigen Funktionären des Auswärtigen Amtes zusammengekommen. Der Diplomat kam auf Einladung der Linkspartei in die deutsche Hauptstadt, um Unterstützung für die Demokratiebewegung in dem mittelamerikanischen Land zu mobilisieren. Mejía sprach das weitere Vorgehen auch mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, ab. Am Dienstag hatte er zudem eine Unterredung mit Botschaftern anderer zentralamerikanischer Staaten in Deutschland.

"Wir sind sehr zufrieden mit der enormen Unterstützung, die wir von internationaler Ebene erhalten", sagte Mejía bei einem Treffen mit amerika21.de. Gut zehn Wochen nach dem Sturz der letzten demokratisch gewählten Regierung in Honduras sei es wichtig, den Druck auf das Putschregime unter dem ehemaligen Parlamentspräsidenten Roberto Micheletti weiter zu erhöhen.

"Die internationale Gemeinschaft darf auf keinen Fall die Wahlen unterstützen, die das Regime Ende November durchführen will", sagte der Vertreter von Präsident Manuel Zelaya. Die Putschisten versuchten mit dieser Abstimmung ihre Macht zu legitimieren und angesichts der begangenen Verrechen Straffreiheit zu erreichen. Nach Angaben von internationalen Menschenrechtsorganisationen sind seit dem Staatsstreich zwölf Putschgegner aus politischen Gründen ermordet worden. Die honduranische Justiz geht diesen Fällen bislang nicht nach.

Erstaunt zeigte sich Mejía über die Informationslage im Auswärtigen Amt in Berlin. "Es scheint, dass das deutsche Außenministerium Informationen erhält, die nichts mit der Realität in Honduras zu tun haben", sagte er gegenüber amerika21.de. Deswegen seien seine Gesprächspartner sehr dankbar über alternative Informationen gewesen. Am Ende des Treffens habe man wegen der lückenhaften Informationslage vereinbart, den Kontakt beizubehalten.

In der Regel werden die Außenministerien von ihren Botschaften über die aktuelle politische Lage in den jeweiligen Gastländern unterrichtet. Der letzte deutsche Botschafter in Tegucigalpa, Paul Resch, wurde nach dem Putsch gemäß eines Beschlusses der EU aber abgezogen. Derzeit wird die Botschaft von dem Geschäftsträger Michael Zinn geleitet.

Am Mittwochabend kam Mejía in Paris mit dem französischen Außenminister Bernard Kouchner zusammen.

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