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19.01.2010 Venezuela / Wirtschaft

Energiekrise in Venezuela: Rodríguez Araque soll's richten

Erfahrener Parteigänger von Präsident Chávez wechselt vom Finanz- in das Elektrizitätsministerium. Superministerium für Wirtschaft und Finanzen entsteht
Energiekrise in Venezuela: Rodríguez Araque soll's richten

Versunkene Kirche wieder sichtbar: der Wasserstand dieses Stausees im Westen Venezuelas ist um 30 Meter gefallen

Caracas. Alí Rodríguez Araque übernimmt das erst Ende Oktober 2009 eingerichtete Elektrizitätsministerium von Venezuela. Bisher leitete der frühere Guerillero das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. Das wird nun mit dem Planungsministerium zusammengelegt und von dem dafür bisher zuständigen Minister Jorge Giordani geführt. Damit schafft Präsident Hugo Chávez das zweite Superministerium neben dem Ministerium für Infrastruktur, Bauen und Wohnen unter Diosdado Cabello.

Sowohl Giordani wie Rodríguez Araque haben seit Beginn der ersten Präsidentschaft von Chávez im Jahr 1999 hohe Posten in der Regierung inne. Giordani war bis auf kurze Unterbrechungen seit 1999 Planungsminister, Rodríguez Araque hatte schon zahlreiche wichtige Aufgaben: zunächst war er Energieminister, später Präsident des staatlichen Erdölkonzerns PdVSA, Außenminister sowie Botschafter Venezuelas in Kuba, bevor er das Finanzministerium im Sommer 2008 übernahm.

Dass ausgerechnet Alí Rodríguez Araque das relativ neue Elektrizitätsministerium übernimmt, lässt darauf schließen, dass sich nun ein erfahrener Chávez-Vertrauter um die drängenden Probleme bei der Energieversorgung kümmern soll. Der Elektrizitätssektor wurde im vergangenen Herbst aus dem Ministerium für Energie und Öl ausgegliedert und das Elektrizitätsministerium gegründet.

Venezuela leidet wie der gesamte Norden Südamerikas unter einer lang anhaltenden Trockenheit und ist stark von Wasserkraft abhängig, doch die Stauseen sind leer. Daher rationiert der staatliche Stromkonzern CORPOELEC, dessen Chef gleichzeitig Elektrizitätsminister ist, seit Wochen die Stromversorgung. Als der bisherige Krisenmanager Angel Rodríguez Anfang vergangener Woche die Rationierungen auch auf die Hauptstadt Caracas ausweitete, wurde er wenige Tage später wegen angeblichen Umsetzungsproblemen von Präsident Chávez zurückgepfiffen und die Maßnahmen zurückgenommen, Rodríguez musste seinen Posten räumen.

Alí Rodríguez Araque wird sich also einer schweren Aufgabe stellen müssen. Einerseits will die Regierung den Bewohnern der Millionenstadt Caracas längere Stromausfälle ersparen, andererseits sind die Pegel der Stauseen dramatisch gefallen und der Energieverbrauch in den letzten Jahren aufgrund des gestiegenen Lebensstandards drastisch angewachsen. Vertreter der Elektrizitätsarbeitergewerkschaft FETRAELEC warnten vor einem Kollaps der Energieversorgung und mahnten weitere "verantwortungsvolle Maßnahmen" an, die wirklich das ganze Land mit einbeziehen.

Hintergrund: Comandante Fausto und die "4,30-Ära"

Zuletzt hatte Rodríguez Araque noch als Finanzminister die historische Neufestlegung der festen Wechselkurse der Landeswährung Bolívar zum US-Dollar unterschrieben. In einem aktuellen Artikel beschäftigt sich amerika21.de-Autor Jan Ullrich mit der Maßnahme und "Comandante Fausto", wie Rodríguez Araque früher genannt wurde. Den Beitrag unter dem Titel "Comandante Fausto und die '4,30-Ära'" finden Sie in unserer Rubrik Hintergrund & Analyse.


Bildquelle: radiomundial.com.ve

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