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Konflikt um Steinkohle aus Kolumbien

Arbeitskampf im Tagebau El Cerrejón. Proteste gegen Kohleimporte in Hamburg. Energiekonzerne Eon und Vattenfall in der Kritik
"Lokomotive des Fortschritts" nennt Kolumbiens Präsident Manuel Santos sein Wirtschaftsprogramm für verstärkten Bergbau und Export. Hier ein gepanzerter Triebwagen für den Transport der Kohle aus dem Tagebau El Cerrejón zum Verladehafen

"Lokomotive des Fortschritts" nennt Kolumbiens Präsident Manuel Santos sein Wirtschaftsprogramm für verstärkten Bergbau und Export. Hier ein gepanzerter Triebwagen für den Transport der Kohle aus dem Tagebau El Cerrejón zum Verladehafen

Bogotá/Hamburg. In der vergangenen Woche ist ein Arbeitskampf im größten kolumbianischen Tagebau El Cerrejón eskaliert. Seit Anfang Januar wurden die Verhandlungsführer der Gewerkschaft Sintracarbón sowie ihre Familien mehrmals von Unbekannten bedroht. Der Präsident der Kohle-Gewerkschaft, Igor Díaz López, und ihr Verhandlungsführer, Aldo Raúl Amaya Daza, erhielten Telefonanrufe in ihren Wohnungen. Unbekannte erklärten: "Passt auf, wir haben euch im Blick." Die Ehefrau von Igor Díaz López wurde auf ihrem Handy angerufen und ihr wurde mitgeteilt, wo sie und ihre Kinder sich aufhielten. Außerdem informierten die Gewerkschaftsführer, dass im Umfeld ihrer Wohnungen mehrmals bewaffnete Männer auftraten.

Die 12.000 Beschäftigten des Unternehmens "Carbones del Cerrejón Limited" verhandeln seit Anfang Dezember über einen neuen Tarifvertrag. Neben einer Lohnerhöhung von mindestens sieben Prozent fordert die Belegschaft, dass der Tarifvertrag auch auf die etwa 5.000 Leiharbeiter angewendet wird. Zudem verlangen die Gewerkschaften einen verbesserten Gesundheitsschutz und dass das Unternehmen höhere Investitionen in den Umweltschutz vornimmt. Der Tagebau El Cerrejón ist die größte Mine des Landes und hat die Natur in großen Teilen der Halbinsel Guajira zerstört. Durch den Tagebau wurden Teile der lokalen, teilweise indigenen, Bevölkerung vertrieben und wichtiger Einkommensquellen, etwa dem Fischfang, beraubt. Die verbliebenen Anwohner leiden unter schweren gesundheitlichen Problemen aufgrund der hohen Belastung durch Kohlestaub.

Das Unternehmen "Carbones del Cerrejón Limited" brach die Verhandlungen mit den Gewerkschaften in der vergangenen Woche ab. In den kommenden Tagen werden die Beschäftigten entscheiden, ob sie in einen Streik treten, teilte Igor Díaz López mit. Nach seinen Angaben akzeptierte die Führung des Unternehmens nicht einmal die Hälfte der von den Beschäftigten aufgestellten Forderungen. Das Unternehmen befindet sich im Besitz der drei internationalen Investitionsgruppen Angloamericana, Billiton und Xstrata. Es exportierte im Jahr 2012 etwa 70 Prozent der weltweit gehandelten Steinkohle. Von den 35 Millionen Tonnen der in El Cerrejón geförderten Steinkohle gingen 33 Millionen Tonnen in den Export.

Nach Angaben der Hamburger Initiative Gegenstrom13, einem Protestbündnis gegen den Betrieb des Kohlekraftwerkes Moorburg, ist dessen Betreiber, der Energiekonzern Vattenfall, ein wichtiger Abnehmer der kolumbianischen Steinkohle. Das Bündnis bereitet eine Blockade der Elbe während des Hamburger Hafengeburtstags im Mai vor, um gegen die skandalösen Umwelt- und Sozialstandards in der kolumbianischen Steinkohlemine sowie gegen den Betrieb des Kraftwerkes Moorburg zu protestieren. Nachdem die Hamburger Behörden am 15. Januar die Genehmigung für die Blockade erteilten, musste Vattenfall am vergangenen Montag eine schwere Niederlage vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht hinnehmen. Die Richter erklärten die für Moorburg geplante extrem umweltbelastende Kühlwasserentnahme aus der Elbe für "nicht Rechtens" und gaben damit einer entsprechenden Klage des BUND statt.

In Deutschland aktive Energiekonzerne wurden in der Vergangenheit bereits häufiger für fehlende Unternehmensverantwortung kritisiert. Unter dem Slogan "Licht an für die Menschenrechte" hatte die Menschenrechtsorganisation FIAN mehr Transparenz bei Steinkohleimporten gefordert und im vergangenen Jahr eine E-Petition beim Deutschen Bundestag gestartet. Menschenrechtsaktivisten hatten bei der Hauptversammlung des Stromkonzerns Eon im Mai letzten Jahres vom Vorstand eine Stellungnahme wegen Menschenrechtsverletzungen durch seine Steinkohlelieferanten in Kolumbien gefordert.

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