Kolumbien: Nahrungsmittelkrise in Bergbauregion

Rückgang der Ernteerträge durch Ausdehnung der Kohleminen. Über 90 Prozent Arbeitslosigkeit. Zugesagte Umsiedlung geht nur schleppend voran

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In der Gemeinde El Hatillo sind 90 Prozent der Bewohner arbeitslos
In der Gemeinde El Hatillo sind 90 Prozent der Bewohner arbeitslos

El Hatillo, Kolumbien. Die Gemeinde El Hatillo im Zentrum des Verwaltungsbezirkes Cesar liegt in Mitten einer Bergbauregion und befindet sich

auf Anordnung des Umweltministeriums seit 2010 in einem Umsiedlungsprozess. Grund ist die zu hohe Feinstaubbelastung, die die Ausbeutung der Kohle in der nahe gelegenen Mine mit sich bringt.

Die Gemeinde ist traditionell eine Bauerngemeinschaft, die bis in die 90er Jahre von der Landwirtschaft gelebt hat. Dann wurde Kohle gefunden. Bereits im Jahr 2007 sollte die erste Umsiedlung stattfinden, da die Konzession der Mine Teile von El Hatillo umfasste. Dieser Prozess wurde jedoch wieder gestoppt, nachdem die Mine den Besitzer wechselte.

Mehr als 50 Prozent der Bewohner leiden an Atemwegserkrankungen, Haut- und Augenproblemen. Die drei Firmen Prodeco (Glencore), Drummond und CNR (Goldman Sachs), die die Kohleminen in der Region betreiben und somit für die Umsiedlung dieser und zwei weiterer Gemeinden zuständig sind, haben im März 2012 eine kanadische Organisation mit der Planung der Umsiedlung beauftragt. Der Prozess geht jedoch nur schleppend voran. Im Herbst vergangenen Jahres wurde ein Übergangsplan bewilligt, der die Situation vor Ort erträglicher gestalten soll. Bis heute sind jedoch keine Resultate sichtbar. Durch die Ausdehnung der Kohleminen wurde stattdessen der Lebensraum der Gemeinde immer mehr eingeschränkt, wodurch die Ernteerträge stark zurückgegangen sind. Im Fluss befinden sich fast keine Fische mehr und über 90 Prozent der Dorfbewohner sind arbeitslos.

Die Gemeinde fordert deshalb schon seit langem die Umsetzung von Landwirtschaftsprojekten und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Nun hat sich die Situation seit Anfang des Jahres derart zugespitzt, dass das Dorf unter einer humanitären Krise leidet. Nicht einmal mehr die Ernährungssicherheit der 130 Familien ist gewährleistet. Trotz der Intervention verschiedener nationaler und internationaler NGOs sowie der UNO haben sich bis heute weder der kolumbianische Staat noch die Firmen der Gemeinde angenommen. Sie spielen sich gegenseitig die Verantwortung zu mit dem Argument, dass es sich um eine Gemeinde in einem Umsiedlungsprozess handle und sie nicht Opfer des bewaffneten Konfliktes oder Angehörige einer ethischen Minderheit seien.

Diese Situation steht im Widerspruch zum Ziel, welches die Regierung mit der Förderung des Bergbaus vorgibt zu verfolgen. Dieser Sektor ist eine der fünf "Lokomotiven", die dem Land Entwicklung und Fortschritt bringen sollen. Um den Bergbau voranzutreiben, werden ausländische Firmen mit Steuersenkungen oder niedrigen Förderabgaben ins Land gelockt, um hier ihre Investitionen zu tätigen. Den Bewohnern vor Ort werden Arbeitsplätze und eine verbesserte Infrastruktur versprochen.

Obwohl der Bergbau vor über 20 Jahren in El Hatillo Einzug gehalten hat, hat die lokale Bevölkerung trotz gegenteiliger Versprechen von diesem Fortschritt noch nichts mitbekommen und leidet an extremer Armut inmitten satter Gewinne ausländischer Konzerne.

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