Venezuela reformiert Devisenhandel

Zweitpreis-Auktionsverfahren soll Venezuelas Devisenhandel reformieren. Kritik von Unternehmern und Opposition

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Caracas. Die venezolanische Regierung hat am Mittwoch eine erneute Reform des Devisenhandels bekanntgegeben. Ein Zweitpreisauktionsverfahren soll dabei das bisherige Preisbandwechselsystem SITME ablösen. Wie Finanzminister Jorge Giordani mitteilte, soll durch die Auktion von Devisen die Nachfrage des privaten Wirtschaftsektors nach Fremddevisen gedeckt werden. Privatpersonen können weiterhin Dollar zum staatlich festgelegten Wechselkurs von 6,3 Bs. für einen US-Dollar tauschen. 

Das neue komplementäre Wechselsystem SICAD (Sistema Complementario de Administración de Divisas) orientiert sich an einem Auktionsmodell des US-amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers William Vickrey. Bei der sogenannten verdeckten Zweitpreisauktion geben die Teilnehmer nicht-öffentliche Angebote ab. Es gewinnt zwar das höchste Gebot. Der Gewinner bezahlt jedoch nur den Betrag des zweit höchsten Gebots. In der Theorie verspricht dieses Modell eine realistischere Wertschätzung des zu versteigernden Produkts durch die Auktionsteilnehmer.

Laut Giordani wendete die venezolanische Regierung dieses Verfahren bereits zusammen mit der Zentralbank des Landes (BCV) bei der Ausgabe von Staatsanleihen erfolgreich an. Während jedoch der Sekundärhandel bzw. der Weiterverkauf von Staatspapieren auch in Venezuela kaum reguliert ist, soll mit der Einführung des SICAD in Zukunft jeglicher Devisenhandel der venezolanischen Wirtschaft für den Import von Gütern und Dienstleistungen die staatliche Bürokratie durchlaufen. 

Die Auszahlung der durch das Auktionsverfahren erworbenen Fremddevisen erfolgt nach den vorgestellten Plänen unmittelbar an die Exporteure im Ausland, um Gewinnmitnahmen in Dollar für venezolanische Unternehmen zu unterbinden. Zudem müssen Unternehmen noch vor der Zulassung zur Teilnahme am Auktionsverfahren, Preise und  Angemessenheit der Importe vor Zentralbank und der Aufsichtsbehörde des SICAD begründen. Dabei sollen laut Giordani, in Zukunft bestimmte Gruppen von Importgütern  bevorzugt werden. Als Beispiele nannte er Medikamente und Güter für den medizinischen Bedarf.

Während sich die venezolanische Regierung von der erneuten Währungsreform eine Entlastung des Devisenschwarzmarktes des hochgradig importabhängigen Landes verspricht, warnten Unternehmervertreter vor allem vor den Auswirkungen der neuen bürokratischen Hindernisse für kleine und mittlere Unternehmen. Bei diesen Unternehmen könnte es zu Engpässen bei der Versorgung kommen, erklärte Jorge Roig, Vizepräsident des größten Unternehmerverbandes des Landes, Fedecámara. Auch Fernando Eseverri, Präsident der Handelskammer von Caracas, forderte Korrekturen, um den Zugang kleinerer Unternehmen zu den Auktionsverfahren zu ermöglichen. 

Vertreter der verarbeitenden Industrie begegneten dem neuen Devisenhandelssystem vor allem mit Unverständnis. Der Präsident des Industrieverbandes Conindustria, Carlos Larrazábal, erklärte, seine Organisation hätte die von Giordani bisher vorgestellten Mechanismen und Regularien des Auktionsverfahrens bisher nicht verstanden. Er hoffe aber darauf, dass sich der bisherige Zahlungsvollzug der Zentralbank bei der Ausgabe von Fremddevisen von durchschnittlich 200 Tagen zukünftig verkürze. Die venezolanische Industrie habe durch ausstehende Devisenzuteilungen bei Zulieferern aus dem Ausland rund neun Milliarden US-Dollar Schulden angehäuft.

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