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11.07.2013 Lateinamerika / Politik

Spionage-Netzwerk der USA in Lateinamerika

Als "Verletzung der Souveränität" Brasiliens bezeichnete Präsidentin Dilma Rousseff die mögliche US-Spionage

Als "Verletzung der Souveränität" Brasiliens bezeichnete Präsidentin Dilma Rousseff die mögliche US-Spionage

Brasília. Das Spionage-Netzwerk der USA, das durch den Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt worden ist, breitet sich offenbar über ganz Lateinamerika aus. Dies berichtete die brasilianische Zeitung O Globo am Dienstag in einem Beitrag, an dem auch der Journalist Glenn Greenwald von der britischen Tageszeitung The Guardian beteiligt war. Greenwald war von Snowden kontaktiert worden und hatte von diesem Informationen über das geheime NSA-Programm Prism erhalten.

In Lateinamerika seien für die US-Spionage "nicht nur militärische Angelegenheiten, sondern auch Geschäftsgeheimnisse" von Interesse gewesen.

Der Schwerpunkt richte sich auf Brasilien, Mexiko und Kolumbien, berichtete die Zeitung. Darüber hinaus seien Venezuela, Argentinien, Ecuador, Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Paraguay, Chile, Peru und El Salvador ständig, wenn auch mit geringerer Intensität, ausspioniert worden.

Kolumbien, Ecuador und Venezuela sollen im Jahr 2008 auch durch das X-Keyscore-Programm überwacht worden sein. Damit kann die Anwesenheit eines Ausländers in einem Land durch die Sprache, die er in E-Mails verwendet, aufgespürt und identifiziert werden. Im März dieses Jahres sei Venezuela besonders im Fokus der Spionage gewesen, wie aus den Dokumenten der NSA hervorgeht. Am 5. März war der frühere Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, verstorben.

Aufgedeckt wurde außerdem, dass in Brasília eine "Spionage-Basis" eingerichtet worden war. Weitere dieser Basen seien bis zum Jahr 2002 in Caracas, Bogotá, Panama-Stadt und Mexico-Stadt betrieben worden. Beweise dafür, dass sie seitdem wieder benutzt wurden, gebe es nicht.

Laut den O Globo vorliegenden Unterlagen führten NSA-Agenten zwischen Januar und März dieses Jahres Spionagetätigkeiten in Lateinamerika mit mindestens zwei Programmen durch: Prism und Boundless Informant. Das Prism-Programm ermöglicht den Zugriff auf E-Mails, Online-Chats und Internet-Telefonate von Kunden solcher Unternehmen wie Facebook, Google, Microsoft und YouTube. Mit diesen sammelte die NSA-Daten über Erdöl und Anschaffungen von militärischem Gerät in Venezuela sowie aus den Bereichen Energie und Drogen aus Mexiko. Außerdem sollen Bewegungen der FARC-Guerilla in Kolumbien überwacht worden sein.

Die Informationen, dass die USA in Brasilien Telefonate und Aktivitäten der Bürger im Internet ausgeforscht haben sollen, sorgten in dem südamerikanischen Land für Empörung. Präsidentin Dilma Rousseff sagte, wenn sich die Spionage-Vowürfe bestätigten, käme dies einer Verletzung der Souveränität des Landes gleich und ihre Regierung werde die Angelegenheit vor die UNO bringen. Die Kommission für auswärtige Beziehungen des brasilianischen Senats wird den US-Botschafter in Brasilien, Thomas Shannon, einbestellen, damit er die angeblichen Spionage-Aktivitäten im Land erkläre.

Unterdessen rief Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández die Mercosur-Staaten auf, sich bei ihrem nächsten Treffen entschieden gegen die US-Spionage auszusprechen. Der Außenminister Ecuadors, Ricardo Patiño, bezeichnete die Aktivitäten der US-Geheimdienste gegen Länder Lateinamerikas als "offene Verletzung des internationalen Rechts".

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