Erneut Diskussion um Abtreibungsverbot in Chile

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Demonstration gegen das Abtreibungsverbot: "Abtreibung legal, sicher und kostenlos - jetzt!"
Demonstration gegen das Abtreibungsverbot: "Abtreibung legal, sicher und kostenlos - jetzt!"

Santiago de Chile. In Chile ist die öffentliche Debatte zur sogenannten "therapeutischen Abtreibung" erneut aufgeflammt, nachdem bekannt wurde, dass ein 11-jähriges Mädchen im fortgeschrittenen Stadium schwanger ist. Das Mädchen wurde Opfer wiederholter Vergewaltigung durch den Partner der Mutter.

Seitens der Opposition, verschiedener Organisationen sowie des Ärzteverbands wurde wiederholt die Forderung nach der Legalisierung der therapeutischen Abtreibung laut. Als prominenteste Fürsprecherin zeigte sich Michelle Bachelet, bis 2010 Präsidentin Chiles und Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen im November dieses Jahres. Sie leitete bis zu ihrer Kandidatur die Frauenorganisation der Vereinten Nationen.

Die Regierung verteidigt indessen ihre strikten Haltung in punkto Abtreibung. Empörung und Entsetzen riefen Aussagen von Präsident Sebastian Piñera sowie von Abgeordneten der rechten Regierungspartei UDI hervor: Nachdem sie in einem Interview mit dem Fernsehsender Canal 13 gesagt hatte, dass sie das Kind austragen wolle, hob Piñera "die Reife" des Mädchens hervor, das "trotz des Leids, das ihr der Mann, der sie vergewaltigte, zugefügt hat, das Kind lieben und für es sorgen wird". Der Abgeordnete der UDI, Issa Kort, sprach gar davon, dass der Körper von Frauen mit Einsetzen der ersten Periode darauf "vorbereitet ist, Mutter zu werden", auch wenn die Bedingungen "nicht ideal" seien. Er wolle eine so frühe Schwangerschaft, insbesondere unter diesen Umständen, keinesfalls befürworten, "aber auf die Konsequenz will ich bestehen: Ich will das Leben ab dem Moment der Empfängnis verteidigen". Ähnlich äußerten sich weitere Abgeordnete der UDI. Auch Gesundheitsminister Jaime Mañalich bekräftigte, dass die Regierung ganz klar an dem Abtreibungsverbot festhalte.

Chile gehört weltweit zu den Ländern mit dem striktesten Abtreibungsverbot. Gleichzeitig werden ein Drittel aller Schwangerschaften illegal abgebrochen, Schätzungen zufolge jährlich bis zu 160.000. Gegen das Abtreibungsverbot regt sich schon lange Protest. Im Parlament wurden schon verschiedene Gesetzesvorschläge eingereicht, die die therapeutische Abtreibung legalisieren sollen. Bisher ohne Erfolg: Im Frühjahr letzten Jahres wurden die Vorschläge von einer Mehrheit im Senat abgeschmettert.

Laut Statistiken des Gesundheitsministeriums sind 2012 fast 900 Kinder von Frauen unter 15 Jahren geboren worden.

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